Naturismus in Vorarlberg ... ein Versuch

Selbst der Baum freut sich, mich zu sehen ...

Ein Basis-Camp für Nacktwanderungen in Vorarlberg

Im August 2021 waren wir das erste Mal in der Gegend von Vorarlberg. Damals im Rahmen eines Besuches der Bregenzer Seefestspiele. Es gab RIGOLETTO oder wie man scherzhaft auch sagt „Rigel`s Otto“. Auf der Suche nach einer günstigen Pension landeten wir in Krumbach.

Damals war Nacktwandern noch nicht das wirkliche Thema für mich, obwohl ich schon immer nach Gelegenheiten suchte, mich als Naturist, also ohne Textilien im Wald oder auf einsamen Wegen mit der Natur zu verbinden. Dieses einmalige Körpergefühl von Wärme, Wind oder auch Regen direkt auf der Haut kann ich nur ansatzweise beschreiben. Erleben und spüren muss das jeder für sich selbst.

Diesmal, im Juni 2022, fuhren wir geplant zu umnserer Pension und in die Gegend rund um Krumbach in Vorarlsberg. Ich war durch meine Erlebnisse im Pfälzerwald  - siehe Pfalzwagen -  so angetan vom Nacktwandern und ausprobieren, dass ich mich in dieser bekannt einsamen Gegend ebenfalls spüren wollte. Einige Wege hatte ich bereits dafür ausgewählt, die wir letztes Jahr zu zweit gewandert waren. Es machte mir Spaß, mich gedanklich anhand von Wanderfotos und Erinnerungen in den Zustand des einsamen Nacktwanderers zu versetzen. Natürlich hatte ich mich über die Regeln und Gesetze in Österreich informiert. Das Ergebnis entsprach dem von Deutschland. Nacktwandern, Radfahren etc ist nicht verboten und stellt auch keine Erregung öffentlichen Ärgernisses dar. Auch hier steht der Aspekt des Wanderns oder anderer Aktivitäten im Vordergrund. Doch dazu später noch mehr. Ich stellte mir jedenfalls einen erholsamen, auch Nackt-, Urlaub vor und freute mich sehr darauf.

 

Meine Überlegungen

Ich glaube, dass ich als Erstes mal die Route 3 - über die Straße und dann durch den Wald bis Unterkrumbach - ausprobieren werde. Das erscheint mir das Effektivste und Direkteste zu sein. So kann ich mich  - fast - sofort meiner Textilien entledigen und mich nackt der Natur hingeben. Für die Schuhe habe ich mir Überzieher gekauft, die den Schmutz abhalten sollen. Die Temperaturen werden um die Zeit  - ich möchte schon um 5:00 Uhr losgehen -  noch etwas frisch sein, laut Vorhersage 14/15 Grad, aber das bin ich von zuhause gewohnt. Da härte ich mich oft frühmorgens so ab. Auch die Nachtfeuchte wird sich noch bemerkbar machen, aber irgendwie erhöht das die Spannung auf das, was ich naturistisch vielleicht erleben werde. Mögliche Fotomotive tauchen in meiner Vorstellung auf. Tautropfen, die in den ersten Sonnenstrahlen funkeln und wie Diamanten aussehen. Oder Illuminationen, welche die frühe Sonne durch die Baumwipfel hervorruft. Darauf würde ich mich sehr freuen. Ob ich es wirklich bis Unterkrumbach und zurück schaffe ist eher fraglich, aber diese Richtung werde ich erforschen. Vielleicht ist diese Route dann auch für den Tag oder späten Nachmittag geeignet. Auf der Karte ist schwer abzuschätzen, wie weit das sein wird, da ich ja auch die Waldwege nicht kenne. Mein Kompass auf dem iPhone wird mir wahrscheinlich gute Dienste leisten. Und meine Watch wird die Strecke aufzeichnen. Später als 6:30 Uhr möchte ich eigentlich nicht zurück sein. Dann wartet ein erster Kaffee auf mich. Frau Raid richtet das Frühstücksbuffet schon zeitig, da auch Monteure bei ihr übernachten, die dann eher das Haus verlassen als wir Touristen. Im Frühstücksraum kann ich dann meine Erlebnisse niederschreiben, solange sie noch „heiß“ sind. 

Das sind meine Gedanken, die ich noch vor Urlaubsbeginn niederschreibe, in großer Vorfreude sozusagen. Wie es dann in der Realität aussehen und ausgehen wird bleibt noch voller Spannung offen.

Die Realität 

Die für meine Geschichte mit dem Schwerpunkt NATURISMUS - in Österreich -  eher unwesentlichen Begebenheiten des normalen Alltags werde ich nur am Rande erwähnen. Erwartet also keine kulinarischen Beschreibungen der guten österreichischen Küche, der liebevollen Fürsorge von Frau Raid, der gemeinsamen Hausmusik mit Werner Raid oder ob ich gut geschlafen habe. Ich möchte EUCH , wie bei meiner PFALZWAGEN-Geschichte auch, meine Erlebnisse im Einklang mit der Natur näher bringen. Was es mit diesem fast schon mystischen Gefühl auf sich hat, wenn der nackte Körper die Auswirkungen von Wind, Wärme, Regen oder auch Kühle spürt. Und da ist es ein gewaltiger Unterschied, ob man sich wirklich gänzlich „ohne“ auf Wegen, auf einer Wiese oder im Wald bewegt als eben angezogen. Soviel kann ich zum Thema Realität schon mal sagen. Das habe ich erlebt, wie so viele andere auch schon. Lest mal das Büchlein NACKTWANDERN von Nicole Wunram, das ich fast verschlungen habe. Dort beschreibt sie genau das, was ich eben ausgeführt habe. Diese intensiveren Gefühle, die gesteigerte Achtsamkeit gegenüber der Natur und die daraus sich entwickelnde Ruhe und die Harmonie in einem selbst.

Ich weiß noch, wie ich mich bei meiner allerersten kleinen Wanderung im Pfälzerwald bereits nach kurzer Zeit wohl gefühlt habe. Irgendein Textil hatte ich nicht dabei. Es war mir dann auch egal, ob mir jemand begegnen würde. Das ist natürlich geschehen Aber dieses Wohlgefühl und meine innere Einstellung haben mich völlig normal handeln lassen. Menschen begegnen sich beim Wandern, einer nackt, der/die andere eben angezogen. Das ist der einzige Unterschied. Das Wandern und die Begegnung und ein vielleicht kurzes Gespräch, das sind die Gemeinsamkeiten. Mehr ist da nicht. Ich saß zB während einer kleinen Rast auf einer Bank am Wegesrand als eine jüngere Frau mit Hund vorbei kam. Wir grüßten uns und sie fragte scherzhaft, ob ich mich verlaufen hätte und ob sie mir helfen könne. Ganz geheuer war ihr diese Situation wohl doch nicht. „Nee, alles in Ordnung! Ich wandere hatlt gerne ohne, das ist alles!“ Damit war das geklärt und mit einem gegenseitigen Lächeln ging sie weiter, ich blieb noch sitzen.

Soviel mal zur erlebten Realität. Die kommende würde spannender werden, vielleicht auch nicht so friedlich und freundlich, wer weiß!?

 

Krumbach, Montag morgen, 13. Juni 2022

Ich hatte ganz gut geschlafen, wenn auch zu kurz. In mir steckte doch eine gewisse Anspannung vor dem ersten Morgen. Vorsichtshalber hatte ich meinen Watch-Wecker lautlos auf 4:45 Uhr gestellt. Ich wachte aber auch so rechtzeitig auf. Die unbedingt benötigten Dinge wie Schuhe, kurze Hose, eine kleine Umhängetasche, meine Mütze und ein Regencape lagen auf einem Stuhl bereit, ich brauchte das Bündel und mein iPhone nur unter den Arm zu klemmen. Leise schloß ich die Zimmertüre auf. Meine Frau ist sehr vorsichtig und hat Angst vor nächtlichem Besuch. Dann zog ich die Tür leise wieder zu. Nackt, mit dem Bündel unter dem Arm ging ich bis zu einer kleinen Sitzecke nahe unseres Zimmers, zog mich an und ging nach unten. So früh war auch Frau Raid noch nicht auf den Beinen und vom letzten Aufenthalt wusste ich, dass die Aussentür nicht verschloßen war. Ganz mutig hätte ich natürlich mit dem anziehen auch noch bis draußen warten können, aber als Naturist möchte man nicht provozieren. Der gewisse Nervenkitzel dabei wäre schon prickelnd gewesen, aber muss man ja nicht unbedingt haben. Wie erwartet war die Haustür unverschlossen und ich trat in den frühen, noch kühlen Morgen hinaus. Das Außenthermometer zeigte 15 Grad an und über Nacht hatte es leicht geregnet. Mir war nicht kalt und ich strebte dem nahen Wäldchen auf der anderen Straßenseite zu. Ein kleiner Abhang führte zunächst zu einem Bach, der sich Richtung Wald schlängelte. Am ersten größeren Baum zog ich mich aus und verstaute meine Textilien … nein, nicht in meiner Tasche. Ich versteckte sie hinter dem Baum, denn ich wollte wirklich ohne alles weiter gehen. Hose und Regencape hätten mich nur abgelenkt. Das iPhone aus der Tasche holend machte ich einige schöne Fotos von Details der Natur in diesem frühen Licht. Die Sonne war gerade irgendwo hinter dem Wald aufgegangen. Ihre Strahlen verbreiteten sich aber schon und tauchten alles in ein warmes Licht. Wie erhofft gab es Blüten und Gräser mit Tautropfen, die im Licht glitzerten. Entlang des Baches langsam voranschreitend entdeckte ich viele solcher natürlichen Kleingemälde, die ich mit dem Handy festhielt. Ich ging über die grüne Wiese bis zum nahen Waldrand und tauchte dann in das dichte Grün ein. 

Nach wenigen Metern begann ein gut begehbarer Waldweg, der sich bald mit dem Bach kreuzte, welcher die Richtung leicht geändert hatte. Über das kleine Gewässer lag ein größerer Baumstamm, der wohl als Brücke dienen sollte. Vorsichtig über den Stamm balancierend erreichte ich den Weg auf der anderen Seite. Ein schönes Fotomotiv. Wohin der Weg nun genau führte wusste ich nicht, aber meinem Kompass nach jedenfalls in die richtige Richtung. Mich noch einmal umblickend und sowohl Straße wie auch die Pension noch erkennen könnend, ging ich weiter in den Wald hinein. Nun musste ich mich auf die zufällig auftauchenden Wege und Abzweigungen verlassen, unterstützt durch dieses magnetische Dings auf meinem Handy. Grob gerechnet Richtung Süd-West, das war mal klar. Und wenn ich woanders auskam war es ja auch egal. Hauptsache nicht plötzlich in einer Massendemonstration gegen das Nacktwandern. Kleiner Scherz!!! Mein iPhone zeigte nur noch 14 Grad. Hier im Wald war es doch leicht kühler. Die Sonne fehlte halt. Es war ein schöner, dichter und gesunder Wald. Irgendwann würde sicher das Lebkuchenhaus aus dem Märchen Hänsel und Gretel auftauchen. Nur würde dann nicht der Hänsel gebraten werden sondern ich, nachdem mich die Hexe überlistet und gefangen hatte. Ich sollte für meinen Frevel des Unbekleidet-Seins büßen müssen. Schmunzelnd ging ich weiter. Auch an das Blair-Witch-Projekt dachte ich. Der Teufel sollte mich holen wenn hier irgendwann wirklich eine kleine Hütte aus dem Nichts auftauchen sollte. Waffen hatte ich keine dabei! Ich konnte nur durch meinen alten und runzligen Körper abschrecken. Ob das bei einer Hexe ausreichen würde? Eher nicht! Die würde selbst so schrecklich aussehen, dass mich der Schlag traf. Da wäre mir Rotkäppchen mit dem Fresskorb am Arm schon lieber. Naja, sie wäre zu jung für mich, aber der Inhalt des Korbes sicher nicht zu verachten gewesen. Als erstes Frühstück sozusagen! Und es müsste ja auch nicht unbedingt Rotkäppchen sein. Ein Mädchen aus dem Dorf täte es auch. Vielleicht hieß sie Eva und hatte einen roten Apfel dabei!? Schade … ich hieß nicht Adam!

Natürlich geschah nichts von alledem. Wollt Ihr wissen, was wirklich geschah? Dann müsst Ihr weiter lesen, denn diese Zeilen schrieb ich noch vor dem Urlaub. Wunschgedanken halt!

 

Also … jetzt ist wirklich Montag morgen, der 13. Juni 2022.

- Ergänzung muss ich noch machen -

Sorry ... zuviel zu tun