Kleines Statement zum NATURISMUS

NACKTWANDERN = WOHLGEFÜHL

NATURISMUS ... was ist das?

Eins mit der Natur, eben
NATURISMUS

Zunächst einmal:

Auszüge aus einer Fachzeitschrift für Körpergefühl:

Ein positives Körpergefühl kann sich stark auf das allgemeine Glücksgefühl einer Person auswirken. 

Dass es einen Zusammenhang zwischen einem positiven Körpergefühl und dem Selbstwertgefühl gibt, ist deutlich festgestellt worden. Studien deuten darauf hin, dass das Nacktsein, auch unter Fremden - Nudismus oder Naturismus - ein positives Körpergefühl fördern kann.

Nicole Wunram

Autorin von NACKTWANDERN schreibt: 

Vom Nacktwandern habe ich das erste Mal in der Zeitung gelesen.Von großer Neugier gepackt habe ich mich aufgemacht und nach weiteren Informationen gesucht. Bis zu meiner ersten Wanderung sollte aber noch ein halbes Jahr vergehen. Ich hatte über den Winter genügend Zeit, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen und mich auf das erste Mal zu freuen, aber dazu später mehr. Menschen, die ein gesundes Verhältnis zu ihrem Körper haben und die Nacktheit genießen können, möchte ich das Nacktwandern gerne näher bringen. Dieses Buch ist gedacht als Ratgeben für Textilwanderer und als Einstieg für zukünftige Nacktwanderer. Sie haben mit dieser Sportart die Möglichkeit, die Bewegung in der Natur auf eine ganz besondere Weise zu erleben.

 

Das wichtigste für mich in diesem Buch war zunächst, dass Nacktsein in der Öffentlichkeit keine Straftat, noch nicht einmal eine Ordnungswidrigkeit ist. Viele setzen Naturismus mit Exhibitsonismus gleich. Das sind aber völlig unterschiedlich Dinge. Denn beim Exhibitionismus geht es um das provokante zur Schau stellen von Genitalien  mit sexuellenm Hintergrund. Selbstverständlich ist das eine Straftat. Der Naturist fühlt sich wohl in der Natur, fühlt sich eins mit ihr, dadurch das er nackt ist. Und das Nacktwandern setzt sich aus 2 Worten zusammen „Nackt“ und „Wandern“. Das eine ist ein natürlicher Zustand und das andere eine Form der Bewegung. Beim Nacktwandern steht also das Wandern in der Natur im Vordergrund.

Soviel zu Beginn

Euer GERD

 

 

Ein Nackter gilt leider als EXHIBITIONIST ...
... mehrere Nackte haben RECHT!!!

Auch ein NATURIST braucht mal eine Pause!

Viel Gepäck braucht man jedenfalls nicht!!!

NATURISMUS im Pfalzwagen

Naturismus ... ich liebe Nackt und Natur

Der etwas andere Pfalzwagen-Aufenthalt 

oder

Wie ich die Natur neu erlebte

 

Einleitung    

Dies ist meine erweiterte Geschichte des Pfalzwagens, die ich Euch gerne erzählen möchte. Sie handelt von meinen Erlebnissen, die ich während einiger kürzerer Aufenthalte in einem (fast) einsam gelegenen umgebauten Schäfer-Wagen hatte, aber enthält auch neue Inhalte über die aktuellen Auszeiten von 2022. Der Wagen befindet sich an einem Waldrand in Carlsberg, dort wo sich Fuchs und Hase Gute-Nacht sagen. Der liebevoll  eingerichtete Wagen ist außen grün-beige gestrichen, innen ist er einfarbig beige. Die gemütliche Einrichtung kommt mit der Wagenfläche von 2 mal 4 m aus. Es gibt ein  grünes Glas-Waschbecken, einen Elektroboiler für warmes Wasser, eine Dusche mit rundum Vorhang in einem Weinfass, ein modernes Chemie-WC, einen Kleiderständer und natürlich Strom. Ein bequem-breites Bett lädt zum relaxen, schlafen oder kuscheln ein, je nachdem ob man alleine oder zu zweit ist. Die kleine Kochgelegenheit mit Herdplatte und  Kühlschrank sowie einem Mini-Backofen reicht aus, um sich einfache  Gerichte zu bereiten. An den Wänden findet man Regale für Bücher und andere diverse Kleinigkeiten. 2 große Kippfenster mit putzigen Häkelgardinen lassen die Sonne von Osten bzw. Westen herein. Mit grünen Holzläden kann man diese auch aussperren, wenn man möchte. Bei geöffneten Fenstern ist der Pfalzwagen hell und lichtdurchflutet. 

Außen, nur durch eine kleine Hecke getrennt, verläuft unmittelbar der Weg in den Wald hinein. Nur wenige Menschen, meist Hundebesitzer, nutzen diese Gelegenheit am Ende einer Sackgasse zum Gassi gehen. Von der eingerichteten Feuer- und Grillstelle mit 2 rustikalen Sitzgelegenheiten aus oder dem  kleinen Gartenensemble mit einem Tischchen und 2 Stühlen kann man  die Natur beobachten. Nun werdet Ihr sagen, schön beschrieben, gemütlich, ja, aber das ist doch nichts Besonderes, sowas gibt es doch an vielen Stellen. Das ist richtig, aber die besondere Naturverbundenheit für mich entsteht durch einen textilfreien Aufenthalt. Ja, Ihr habt richtig gelesen. Textilfrei! Nackt! Im Adamskostüm!  

Ich bin bekennender Naturist. Ich liebe es, den Wind und die Sonne unmittelbar auf der Haut zu spüren. Vor allem in der Natur. Damit stehe ich etwas im Gegensatz zu einem Nudisten, dem die Naturverbundenheit nicht so wichtig ist. Unbekleidet die Augen schließen und dem Rascheln der Blätter in den Bäumen des Waldes lauschen. Ab und zu singen Vögel ihr Lied, ein kleiner Bach säuselt eine kleine Melodie. Man sitzt auf einem Baumstumpf oder gar auf einer, eher seltenen, Bank und hat das Gefühl, die Natur gehört einem, man ist eins mit ihr. Ob diese Gefühle durch die Nacktheit entstehen, ich weiß es nicht, vielleicht werden sie dadurch verstärkt. Jedenfalls fühle ich mich so sauwohl! Wer zB schon einmal nackt geschwommen ist, der weiß, von was ich hier schreibe. Der Körper in seiner Ganzheit verschmilzt mit der Natur, die sich überall an ihn schmiegt. Keine Textilschicht stört diese Verbindung. Die Natur in ihrer Vielfalt hat freien Einlass in die Seele. Poetisch, nicht wahr? Aber so möchte ich Euch die Gefühle wiedergeben, die ich dabei empfinde.

Auszüge aus einer Fachzeitschrift für Körpergefühl:

Ein positives Körpergefühl kann sich stark auf das allgemeine Glücksgefühl einer Person auswirken. 

Dass es einen Zusammenhang zwischen einem positiven Körpergefühl und dem Selbstwertgefühl gibt, ist deutlich festgestellt worden. Studien deuten darauf hin, dass das Nacktsein, auch unter Fremden - Nudismus oder Naturismus - ein positives Körpergefühl fördern kann.

 

- bald mehr -

 

Kapitel 1 „Ein herrlicher Morgen“

Welch herrlicher Augenblick, wenn morgens die Sonne durch das nach Osten gerichtete Fenster des Pfalzwagens oder durch die über Nacht geöffnete Wagentür dringt und mich mit ihren ersten Strahlen kitzelt. Sofort werfe ich die störende Decke fort und genieße die Wärme auf meinem nackten Körper. Ein Lied von Reinhard Mey kommt mir in den Sinn. „Sommermorgen“. „Durchs offene Fenster dringt der Tag ins Zimmer und Morgenlicht durchflutet schon den Raum … usw“ . Ein fantastischer Song, der allen unter die Haut geht, die ihn kennen. Zwar dringt in meinen Pfalzwagen kein Lärm, keine klappernden Autotüren hinein, die mich zwangsweise wach werden lassen, so wie in der Weiterführung des Liedes. Nein, bei mir ist es ist der innige Wunsch, den Wagen zu verlassen, um sich der erwachenden Natur zu widmen. Schnell noch leichte Schuhe überstreifen und durch die offene Tür schlüpfen, um den Morgen zu begrüßen. Mich streckend und räkelnd stehe ich vor dem Wagen und blinzle in die Sonnenstrahlen, die durch die Baumkronen fallen und ein verzaubertes Bild malen. Als ob es kleine Lichtfunken sprüht, so nimmt man diese Strahlen der wärmenden Sonne wahr. 

Ich gehe ein paar Schritte bis zum Ende der Hecke, wo ein kleiner Trampelpfad zum eigentlichen Weg in den Wald führt. Dabei nehme ich selbst auf diesem kurzen Stück bereits Details der Natur wahr. Meiner Achtsamkeit erschließen sich die kleinen und dennoch schönen Dinge, die man sonst vielleicht achtlos übersieht. An einem Strauch, dessen Name ich nicht weiß, wachsen junge, hellgrüne Triebe, die leicht im Wind schaukeln. Im Unterholz, fast verdeckt von Gestrüpp und Altholz, wachsen kleine weiße Blumen, das werden wohl Gänseblümchen sein. Sorry, ich bin kein Botaniker. ich genieße einfach das, was sich mir bietet. Der Name ist mir dabei völlig unwichtig. Es muss für mich nur schön sein und mir gefallen. An dem Weg  angelangt, lenke ich meine Schritte nach rechts, abwärts in den Wald hinein. Bis zur nächsten Abzweigung möchte ich gehen, dort wo sich der Weg gabelt und der linke, abschüssige, tiefer in den dichten Wald hinein führt. Ich weiß, dass er einiges zu bieten hat, wenn man ihm folgt. Dort gibt es einen Hochstand auf einer lichten Anhöhe. Da kommt später auf der linken Seite eine große Lichtung, die mit alten, bemoosten Baumstämmen  geradezu übersäht ist. Es hat dort zwar auch Dornen-Gestrüpp, aber mit etwas Vorsicht kommt man unbeschadet zu einer Stelle, an der sich der Zugang zu einem verfallenen Brunnenschacht  befindet. Die ganze Lichtung erweckt den Anschein, als sei sie verzaubert, verwunschen und im nächsten Augenblick glaubt man auf den gläsernen Sarg, in dem Schneewittchen ruht, zu stoßen. Die Phantasie kann einem schon einen Streich spielen, geht es Euch manchmal auch so? Seid Ihr auch so empfänglich für diese märchenhaften Wahrnehmungen, fast wie in der Kinderzeit? „Fairytales“ heißt das glaube ich auf englisch. Hier hat man nur den Wunsch, bloß nicht erwachsen zu werden, sondern für immer zu verweilen und die Ruhe und den Frieden der Natur einzuatmen.

Ich schweife ab, denn heute morgen gehe ich ja nur bis zur genannten Abzweigung. Dort steht ein alter, mächtiger Baum, an dessen Stamm ich mich jetzt lehne. Manchmal juckt es mich an meinem Rücken. Dann nutze ich die grobe Rinde, um mich zu kratzen. Wohlig verschwindet der Juckreiz und macht einem angenehm warmen Gefühl Platz. Sicher ist diese Hautstelle am Rücken jetzt rot, gut durchblutet. Ich drehe mich um und versuche, den Stamm zu umfassen, was mir natürlich nicht gelingt. Meine Arme sind für dieses mächtige Stück Natur viel zu kurz. Ich setze mich vor den Baum in das Moos und überlege, was dieser Baum in seinen vielen Jahren wohl erlebt hat? Welche Menschen hat er hier gesehen? Menschen, die nach links in den Wald gegangen sind oder diejenigen,  die sich für rechts, die kleine Anhöhe hinauf zum Jüdischen Friedhof entschieden haben? Der befindet sich nämlich nach ungefähr 250 m auf der linken Seite, wenn man den Weg verlässt und ein kleines Stück eines Rasenweges langgeht. Ein mächtiges schmiede-eisernes Tor ist der Einlass zu diesem Grundstück, auf dem sich viele alte Grabsteine befinden. Eine verwitterte Steinmauer umschließt dieses nicht allzu große  Areal.

Vielleicht hat der alte Baum mehr Freude gesehen als Leid, das wäre ihm zu wünschen. Menschen, die fröhlich auf diesem Weg entlang spazieren, sind dem Baum sicher lieber als welche, die Kummer mit sich tragen oder miesepetrig vor sich hin stapfen, nicht nach links oder rechts schauend. Ich bin heute morgen so ein fröhlicher Mensch, denke ich vor mich hin. Nichts soll mir den Tag, der so schön begonnen hat, vermiesen. Voller Vorfreude darauf erhebe ich mich und gehe das kurze Stück Weg zurück zum Pfalzwagen. Ich verspüre Hunger. Es wird Zeit, mir etwas in der kleinen Pfanne zu bruzzeln. Meinem nackten Körper hat dieser kleine Ausflug gut getan, auch wenn es so früh am Tag noch etwas frisch war. Er hat mich wach gemacht.

Ihr werdet Euch vielleicht fragen, ob ich Angst habe, dass mir Jemand begegnet und mich nackt sieht? Nein! Ich tue ja nichts Verbotenes. Sich nackt draußen zu bewegen, vor allem wenn es wie hier auf relativ einsamen Waldwegen ist, ist weder eine Straftat noch eine Ordnungswidrigkeit und noch niemand ist deshalb vor Gericht gekommen oder gar verurteilt worden. Wenn Ihr jetzt bemerkt, aber das ist doch Exhibitionismus!? Nein, ist es nicht! Denn das ist immer mit einer sexuellen Handlung verbunden. Und sowas ist natürlich nicht erlaubt. Paare, die sich im Freien lieben tun dies ja auch nicht gerade auf dem Marktplatz einer Stadt oder? Natürlich gibt es immer „Oberlehrer“, welche gleich die Polizei holen wollen.So ein Erlebnis hatte ich auch einmal. Ein Rentner mit seinem Hund grüßte mich gar nicht, als ich da textilfrei im Außenbereich stand, sondern giftete gleich los „Ziehen Sie sich sofort was an, Sie Exhibitionist. Sonst hole ich die Polizei!“  Es gilt immer abzuwägen, ob man sich bei solchen Zeitgenossen etwas Gutes tut, wenn man sich auf energieraubende Diskussionen einläßt, die dann vielleicht in einem handfesten Streit endet. Worstcase, wohlgemerkt! Damals war ich noch nicht so selbstsicher, um dem verknöcherten Zeitgenossen sachlich und ruhig Paroli bieten zu können. Also zog ich eine Hose an, bis er wieder verschwunden war. Das aber hat mich im Nachhinein geärgert! Ich hatte einen Konflikt nicht ruhig und selbstsicher ausgetragen, sondern dem Anderen die Macht über mich gegeben. Das Wichtigste beim „Nudismus“ oder „Naturismus“ und auch das Vernünftigste ist, sich normal zu verhalten. Damit meine ich, dass man seine Mitmenschen, die einem begegnen, grüßt und einfach weiter geht, wenn man gerade spazieren ist. Die normale Handlung steht im Vordergrund. Also zB die Gartenarbeit, der Spaziergang, das Wandern oder auch das Radfahren. Keine Provokation! Ich bin nackt und Du bist halt angezogen, ansonsten gehen wir der gleichen Tätigkeit nach, basta. Erlebnisse vieler Menschen, die solchen Begegnungen ausgesetzt waren, zeigen dass diese Situationen meist harmlos und sogar humorvoll verlaufen. Es ergeben sich Gespräche und Verständnis für den „Nudisten“. Wie oft schlummern denn in uns Gedanken und Wünsche, es vielleicht auch mal zu probieren, das Nacktsein, um auch einmal diese positiven Gefühle genießen zu können? Aber wir trauen uns nicht! Warum eigentlich? Das ist sicher ein interessantes Thema.

Aber wir waren dabei, dass ich Hunger habe! Und schon bald bruzzelt leckerer Bacon-Schinken in der kleinen Pfanne auf dem mobilen Gaskocher, den ich mitgebracht habe. Heute morgen koche ich draußen, es ist einfach zu schön im Freien.  Den Schinken warm haltend gebe ich 3 Eier in die Pfanne und bald schon habe ich leckeres Rührei mit knusprigem Schinken. Ein guter, wenn auch löslicher Kaffee und eine Scheibe frisches Bauernbrot mit irischer Butter runden die Mahlzeit ab. Herrlich, diese jetzt mit Blick auf den Wald zu genießen! Hinter der etwas lichten Hecke bin ich, auf dem Gartenstuhl am Tischchen sitzend, etwas vor Blicken geschützt. Einige wenige Gassigänger sind unterwegs, aber niemand schaut in Richtung Pfalzwagen. Sie sind zu sehr mit ihren Hunden beschäftigt. Der unleidige Zeitgenosse war heute morgen nicht dabei, Ihr wißt schon, der mit der Polizei.

Zum restlichen Kaffee gönne ich mir einige Züge einer guten Zigarre, ehe es mich an den Abwasch drängt. Ordnung muss sein. Dabei überlege ich, was ich heute Vormittag machen könnte. Etwas, das mir Spaß machen würde! Eine Fototour im Wald kommt mir in den Sinn. Ich liebe es, Waldfotos zu machen. Bilder von bemoosten Altbaumstämmen, Makroaufnahmen von Details im Unterholz und vieles mehr. Das sind die kleinen Dinge des Lebens, die uns erfreuen sollten und welche die Natur uns kostenfrei zur Verfügung stellt. Es liegt an uns, sie wahr zu nehmen und auch zu tun! Mein Blick fällt in den runden Wandspiegel über dem Waschbecken. Ich sehe einen älteren, durchaus noch sehenswerten Herrn, der sich gerade anschaut und dann laut zu sich sagt „Hallo, Du da im Spiegel!? Dich mag ich, Dich liebe ich!“ Ein kleines morgendliches Ritual zur Stärkung des Selbstbewusstseins und für die Selbstakzeptanz. Ich liebe mich! Mit all meinen Schwächen und Stärken! Das ist nicht immer einfach, vor allem, wenn man, so wie ich ein Alter erreicht hat, das einem so manche Wehwehchen und körperlichen Einschränkungen beschert. Wie alt wollt Ihr wissen? Nun, das ist kein Geheimnis. 70! Das ist gegenüber 40 alt und gegenüber 90 noch jung. Nun sind wir bei dem Thema Akzeptanz! Das akzeptieren, was nicht mehr geht, aber auch für das dankbar sein, was noch geht! Ach, wenn das immer so einfach wäre! Aber je öfter sich die Waagschale der positiven Seite zuneigt, umso mehr haben die negativen Gewichte auf der anderen Seite das Nachsehen. 

Guter Dinge erledige ich den Abwasch, viel ist es ja nicht. Aber in dem kleinen Wagen ist es angebracht, wenn man Ordnung hält, das findet dann auch die Seele gut. Das Geschirr kommt wieder an seinen Platz in einem kleinen, bunt bemalten Schränkchen. Nicole, meine Gastgeberin, hat hier manches zusammengetragen, was dann insgesamt eine gemütliche Atmosphäre schafft. Ihr werdet Euch fragen, wie die denn zum textil-freien Aufenthalt in ihrem Wagen und im Wald steht!? Nun, das habe ich bei ihr ganz offen angefragt und sie hat mir mitgeteilt, dass sie darin überhaupt kein Problem sieht und das diese Art von Naturverbundenheit völlig in Ordnung wäre. Ergänzend schrieb  sie mir noch „Wenn jemand damit ein Problem hat, dann ist es dessen Problem!“ Ein Schatz, oder!? Ehrlich gesagt, mit so einer „Rückendeckung“ fühlt man sich irgendwie wohler, fast bestärkt in seinem doch eher außergewöhnlichen Tun. Gut, soviel dazu. Ich packe meine wenigen Fotosachen in eine größere Umhängetasche, die ich immer dabei habe. Darin befindet sich auch eine kurze Hose, für alle Fälle. Dazu kommt ein kleines Vesper, Obst und eine Flasche gekühltes Wasser.

Es ist mittlerweile 9:00 Uhr und die Sonne ist ein gutes Stück weiter in ihrem Himmelslauf Richtung Süden voran gekommen. Es ist angenehm draußen, noch nicht zu warm. Die Kühle des frühen Morgens ist einer lauen Luft gewichen. Ich blicke mich noch einmal im Pfalzwagen um und schließe die Tür von außen zu. Den Schlüssel bewahre ich … ja, das könnte Euch so gefallen, dass ich Euch diesen Platz verrate! Auch außen ist alles in Ordnung und so gehe ich in Richtung der Abzweigung, zu der mich auch mein Weg in der Frühe geführt hat. Dem Weg nach links in den Wald hinein folgend bin ich immer achtsam, was mögliche Fotomotive oder auch sehenswerte Kleinigkeiten der schönen Natur anbelangt. Dieses Gefühl, „öffentlich“ ohne Kleidung unterwegs zu sein, ist schon  eigenartig. Einerseits spürt man sich, seinen Körper, die einen umgebende Luft und Wärme viel intensiver, andererseits ist einem bewusst, das man pudelnackig nicht gerade zu der Mehrzahl von Spaziergängern oder Wanderern gehört. Einen gewissen Nervenkitzel schließt das schon ein. Aber indem ich mir bewusst bin, absolut nichts Verbotenes zu tun, wird mir wieder leichter. Trotzdem bin ich angespannt und sehe einer möglichen Begegnung mit anderen Menschen etwas nervös entgegen. 

Motivation durch Nicole Wunram und ihr Buch „Nacktwandern“ 

Nicole Wunram schreibt: 

Vom Nacktwandern habe ich das erste Mal in der Zeitung gelesen.Von großer Neugier gepackt habe ich mich aufgemacht und nach weiteren Informationen gesucht. Bis zu meiner ersten Wanderung sollte aber noch ein halbes Jahr vergehen. Ich hatte über den Winter genügend Zeit, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen und mich auf das erste Mal zu freuen, aber dazu später mehr. Menschen, die ein gesundes Verhältnis zu ihrem Körper haben und die Nacktheit genießen können, möchte ich das Nacktwandern gerne näher bringen. Dieses Buch ist gedacht als Ratgeben für Textilwanderer und als Einstieg für zukünftige Nacktwanderer. Sie haben mit dieser Sportart die Möglichkeit, die Bewegung in der Natur auf eine ganz besondere Weise zu erleben.

 

Das wichtigste für mich in diesem Buch war zunächst, dass Nacktsein in der Öffentlichkeit keine Straftat, noch nicht einmal eine Ordnungswidrigkeit ist. Viele setzen Naturismus mit Exhibitsonismus gleich. Das sind aber völlig unterschiedlich Dinge. Denn beim Exhibitionismus geht es um das provokante zur Schau stellen von Genitalien  mit sexuellenm Hintergrund. Selbstverständlich ist das eine Straftat. Der Naturist fühlt sich wohl in der Natur, fühlt sich eins mit ihr, dadurch das er nackt ist. Und das Nacktwandern setzt sich aus 2 Worten zusammen „Nackt“ und „Wandern“. Das eine ist ein natürlicher Zustand und das andere eine Form der Bewegung. Beim Nacktwandern steht also das Wandern in der Natur im Vordergrund.

Auszug aus: Nacktwandern von Nicole Wunram

Ein positives Körpergefühl kann sich stark auf das allgemeine Glücksgefühl einer Person auswirken. Wer hingegen mit seiner Körperform unzufrieden ist, dessen allgemeines Wohlbefinden kann dadurch beeinträchtigt werden. Einige Studien deuten darauf hin, dass das Nacktsein unter Fremden - Nudismus oder Naturismus - ein positive Körpergefühl fördern kann - das nehmen wir mal genauer unter die Lupe.

Die meisten haben es schon mal erlebt – und wenn nicht, wird der Tag sicher kommen: Wir betrachten uns und unseren Körper im Spiegel, taxieren die Stellen, die wir nicht mögen, weil sie kleiner, größer, glatter oder am besten überhaupt nicht da sein sollten. Wenn wir zur selben Zeit von allen Seiten mit Bildern von perfekten Körpern konfrontiert werden, ist es kein Wunder, dass viele Menschen kein positives Körpergefühl haben.

So geht es vielen Menschen. In vielen Ländern der Welt herrscht eine große Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. Studien wie die von Andrea Pelegrini und Edio Petroski aus dem Jahr 2010, an denen Versuchsgruppen aus 24 Ländern teilnahmen, haben gezeigt, dass ein solches schlechtes Körperbild dazu führen kann, dass Menschen als Antwort auf dieses Problem ihre Essgewohnheiten radikal verändern.

Aus dieser Studie geht auch hervor, dass die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper häufig schon in der Kindheit beginnt. Die Autoren gaben an, dass „eine Studie mit Schülern der Sekundarstufe im Großraum Florianópolis, SC, ergab, dass 48,2 Prozent dieser Schüler mit ihrem Körpergewicht unzufrieden waren“. Und das „Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper sogar bei Kindern vor der Pubertät beobachtet wird.“ Dass es einen Zusammenhang zwischen einem positiven Körpergefühl und dem Selbstwert-Gefühl gibt, ist deutlich festgestellt worden. Nachzulesen ist dies etwa in einer Veröffentlichung von Hesketh et al. (2004), die sich mit Adipositas bei Jugendlichen befasste.

Eine nachweisbare Kausalität zwischen Selbstakzeptanz, Selbstwertgefühl und Lebenszu-friedenheit wurde in Studien unter anderem von Navarro et al. (2014) gezeigt. Diese bestätigen, dass „das Verhältnis des persönlichen Selbstwertgefühls zur Lebenszufriedenheit signifikant für beide Geschlechter war“. Eine logische Schlussfolgerung daraus ist, dass ein positives Körpergefühl wahrscheinlich zu einem höheren Maß an Zufriedenheit und Glück führt.

Nicole Wunram, aus: Nacktwandern

 

Meine ersten Erfahrungen mit Nacktwandern im Mai 2022

Es ist der 15. Mai 2022, ein Sonntag und mein Anreisetag zum PFALZWAGEN. Es ist sehr warm heute, 28 Grad. Nach der Bahnfahrt bin ich zunächst sehr froh, dass Nicole mich am Bahnhof in Grünstadt abholt. Die restlichen 13 km mit dem Auto sind doch wesentlich angenehmer als nochmal mit dem Bus nach Carlsberg und dann evtl. sogar die restlichen 1,8 km zu Fuß und mit schwerem Gepäck die bergauf führende Straße entlang. Sicherlich wäre ich total kaputt und schweißgebadet nach vielen Verschnauf-Pausen am Pfalzwagen angekommen. So bin ich schweißnass von den hohen Temperaturen und der umständlichen Fahrt mit 2 maligem umsteigen.     

Deshalb bin ich sehr froh darüber, die verschwitzten Klamotten ausziehen zu können. Schnell noch eine Abkühlung in Form einer kalten Dusche aus dem Gartenschlauch und dann erst mal im Pfalzwagen und vor allem in der Natur ankommen. Das notwendigste wurde ausgepackt, Lebensmittel wurden in dem kleinen Kühlschrank verstaut und zwei Fläschchen Cola-Zero passten auch noch hinein. Die restlichen Dinge, vor allem aus dem Koffer,  konnten warten, verstaut zu werden. „Nur kein Stress!“ Zu den unbedingt erforderlichen Sachen gehörten auch der mobile Gasgrill und der kleine Wasserkocher. Beides fand auf einem Aussentischchen Platz, auf dem auch die Reservegetränke standen, das schon erwähnte Cola Zero und Eistee in 2 Geschmacksrichtungen. Nicole hatte für mich anhand einer Liste eingekauft … Super-Service eben. Noch schnell den „Kulturbeutel“ aufgehängt und die täglichen Kosmetikutensilien wie Deoroller, Spray, Zahnbürste und schwarze Zahnpasta sowie eine kleine Haarbürste auf den 2 Regalen im Rundspiegel bereit gestellt, dann war erstmal Schluß! Nee, doch noch eines! Das Bett beziehen! Lieber gleich, da ich sowas überhaupt nicht gerne mache und lieber aufschiebe,  bis ich mich hinlegen will. Dann aber stresst es um so mehr. Auch so eine Erkenntnis, die man beherzigen sollte: Wichtiges, bzw. Unangenehmes gleich erledigen. Es verfolgt Dich sonst die ganze Zeit, in der es unerledigt bleibt! In etwas mehr als 5 Minuten war das dann auch erledigt, gar nicht so schwierig. Ein eigenes Leintuch hatte ich mitgebracht und über das grüne Bett bezogen. Ich wusste nicht, wieviel „Wald“ ich manchmal von draußen mitbringen würde, der sich auf meinem Rücken und dann auf dem Bett verteilen würde.

Als ich noch im Außenbereich des Pfalzwagens von der Anreise relaxe höre ich seitlich hinter mir Geräusche aus Richtung Pfalzwagen Nr. 2. Ihr müsst wissen, dass Nicole gemeinsam mit ihrer Tochter einen zweiten Wagen erworben hat. Den hat sie mit einem großen Kran auf eine vorbereitete Fläche oben am Waldhang, nahe ihres eigenen Grundstücks stellen lassen. Im „Rohzustand“ hatte ich ihn im September 2020 bereits gesehen. Nun aber war er fertig, bezugsbereit und buchbar. Ich drehte mich nach den Geräuschen um und sah 2 Mädchen, naja jüngere Frauen den steilen Hang hinunter stolpern. Das war nicht ganz ungefährlich und nur mit guten Schuhe zu bewerkstelligen. Aber die Jugend ist da ja eher unbekümmert, waren wir ja auch, oder!? Ich war aufgestanden und in einem Abstand von vielleicht 10 m standen wir uns gegenüber. Ein Naturo und 2 Textilos. „Wenn es Sie nicht stört, uns stört`s nicht!“ sagte die eine von beiden und sie kletterten das letzte steilere Stück hinunter, um dann seitlich von mir in Richtung Weg zu gehen. Es entwickelte sich ein kurzes Gespräch auf Distanz. Die beiden hatten eine Übernachtung im Wagen Nr. 2 gehabt und konnten sich noch nicht losreißen. Deshalb wollten sie noch ein wenig die Umgebung erkunden, ehe sie heimfuhren. Noch ein kurzes Winken mit einem durchaus fröhlichen Lächeln und sie waren fort. Meine Gedanken kreisten um das Thema „Nachbarn in Wagen 2“. In diesem fall Nachbarinnen. Ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn die beiden noch ein wenig geblieben wären. Vielleicht wäre ein netter Kontakt und Austausch über die Pfalzwagen, die Gegend um Carlsberg und evtl. auch über Naturismus entstanden. Schade!!! Zwar war ich keinem Menschen auf einer Wanderung begegnet, aber das hier zählt auch.

Inzwischen war es 16:30 Uhr geworden. Zeit für einen ersten Spaziergang ohne Textilien in den Wald. Das Wetter war gut, das Thermometer zeigte 27 Grad. Ich richtete eine kleine schwarze Umhängetasche, in der sich nicht viel befand. Mein iPhone, das für die Übertragung meiner Zuckerwerte ein lebenswichtiges Gerät geworden war, eine Wanderkarte der Gegend, die ich nach meinen Wegerfahrungen ergänzen würde, Traubenzucker gegen einen Blutzuckerabfall, ein kleines Fläschchen gekühlte Cola Zero und natürlich der Wagenschlüssel, nachdem ich die Tür abgeschlossen hatte. Da ich mit Sicherheit in keine Bereiche kam, wo sich viele Menschen befanden oder man sogar einkehren konnte nahm ich bewusst keine Kleidung mit. Ich wollte mich ganz dem hingeben, was ich spüren würde, meiner eigenen natürlichen Nacktheit in Verbindung mit der Natur. Noch einmal tief durchatmen und dann ging es los. Zunächst den schon beschriebenen Weg hinunter bis zum alten Baum und dann nach links, tief in den Wald hinein. Nicole hatte mir erzählt, dass vor kurzem ein Sturm hier durchgefegt war und sicher viele Äste, vielleicht auch kleinere Bäume auf den Wegen liegen würden. Ich durfte also gespannt sein, ob ich auf größere Hindernisse stoßen würde.  

Aber der erste Teil war frei und gut begehbar. Menschen kamen mir noch nicht entgegen. Ich erreichte den Hochstand, der rechts auf einer kleinen Waldanhöhe stand. Heute wollte ich nicht schon dort eine Rast machen, ich wollte weiter, da ich ja nicht genau wußte, wieviel Zeit ich für den gesamten Weg brauchen würde. Der Karte nach war eine Strecke ungefähr 1,2 km, aber das konnte auch täuschen. Bereits auf dieser ersten Teilstrecke stellte sich bei mir ein gutes Gefühl ein. Frei sein, mit der Natur eins sein. Irgendwie fühlte ich mich nackt völlig normal, fast wie angezogen. Ich war durchaus bereit, anderen Menschen zu begegnen. Nicht, dass ich es darauf angelegt hätte, aber ich war bereit. Der Weg führte weiter abwärts und ich hatte überhaupt keine Eile, mein Ziel zu erreichen und wieder umkehren zu können. Nach einer Kurve sah ich die ersten Folgen des von Nicole beschriebenen Unwetters. Ein zwar kleinerer Baum, aber mit vielen Ästen lag quer über dem Weg. Andere Äste und Zweige von benachbarten Bäumen hatten sich dazu gesellt und die gesamte Komposition behinderte doch ganz schön mein Weiter kommen. Mir war doch warm geworden und ich beschloss, auf dem Baum eine kurze Trinkrast einzulegen. Der noch kühle Eistee fühlte sich gut an, als er mir durch die Kehle rann. Ein herrlicher Geschmack und eine angenehme Frische. Ich blickte mich um. Auf der linken Seite des Weges, dort, wo der Hang nach unten führte hatte der Sturm ganz  schön was angerichtet. Kreuz und quer lagen hier kleinere, meist kranke Bäume. Ein Chaos, das die Natur hier geschaffen hatte, das durchaus sehenswert war. Ein menschlicher Künstler hätte es nicht so ansprechend hinbekommen, dessen war ich mir sicher. Da mir meine Schuhe guten Halt boten wagte ich einige Meter in dieses Durcheinander hinein, immer wieder meine Füße in die  Zwischenräume der herumliegenden Bäume setzend. Irgendwann ging es dann doch nicht mehr weiter ohne dass ich mich vielleicht verletzt hätte. Auf einem Baumstumpf setzte ich mich kurz um etwas zu verschnaufen. Von hieraus konnte ich den Weg oberhalb fast nicht mehr einsehen. Ich nahm einen weiteren Schluck Eistee und machte mich auf den Rückweg, wieder vorsichtig einen Schritt vor den anderen setzend. Manchmal blickte ich an mir herunter und wurde mir meiner Nacktheit bewusst, die ich die meiste Zeit über fast vergessen hatte. Mütze, Schuhe und eine kleine Umhängetasche, sozusagen ein Dreiteiler, den ich trug. Ich musste lachen und an einen Witz denken: „Was ist ein 3-teiliger Bikini? Strohhut, Sonnenbrille und Sandalen!“ Gegen eine derart gekleidete weibliche Begleitung hätte ich nichts einzuwenden gehabt. Leider hatte sich auf eine Information, die ich auf einer Naturistenseite geschaltet hatte, niemand gemeldet. Der wilde Süden war eben doch nicht so wild … siehe Gedicht. Keine Weg-Gefährtin für meinen Aufenthalt im Pfalzwagen hatte sich gefunden. Ich hätte vielleicht doch kein Foto von mir zeigen sollen! Kleiner Scherz, so schlecht sehe ich nun auch wieder nicht aus!  

Mich aus meinen Gedanken holend ging ich weiter den Hang hinauf, vorsichtig wie gesagt. Ich erreichte das Ende des Hanges unbeschadet, uff! Eine Lücke in dem Durcheinander nutzend kam ich an dem umgestürzten Baum vorbei auf den Weg. Laut Karte hatte ich fast die Hälfte meiner Wanderung geschafft, noch ungefähr 6-700 m, dann müsste dieser Weg an einer kleinen asphaltierten Straße enden, die dann in unterschiedlichen Richtungen zur „Zivilisation“ führen sollte. Bis dahin wollte ich gehen, nicht unbedingt in eine Siedlung hinein. Provokation ist niemals die Absicht von Naturisten! Ich trottete gemütlich weiter, als mir von unten eine Frau mit einem Hund entgegen kam. Oha! Nun war es soweit! Meine erste Begegnung mit einer Textilin! Selbstbewusst ging ich weiter! Bei dem Hund schien es sich um ein gutmütiges Exemplar zu handeln, hoffentlich bei der „mittelalten“ Frau auch! Wir kamen uns immer näher und dann war es soweit, wir waren auf einer Höhe. Ich grüßte, sie lächelte zurück, rief ihren Hund zur Ordnung, der mich natürlich begutachten wollte und ging weiter. So einfach war das? Die Menschen gingen einfach weiter, als ob es die natürlichste Sache der Welt wäre, einem nackten Mann zu begegnen? 

„Hallo!“ hörte ich sie dann hinter mir rufen. Ohjeh, jetzt kommts! Ich drehte mich um. Sie kam einige Schritte auf mich zu und fragte „Haben Sie sich vielleicht verlaufen?“ Ich entgegnete spontan „Nee, ich wandere immer gerne ohne!“ Sie lächelte wieder und meinte „Dann ist ja gut“, drehte sich um und ging ihres Weges, der Hund an ihrer Seite. Auch ging wieder den Weg weiter runter, nachdenklich, warum sie wohl gefragt hatte, ob ich mich verlaufen hatte. Ob sie wohl dachte, ich wäre irgendwo entsprungen und fände den Weg zurück in die Psychiatrie nicht mehr? Naja, wie dem auch sei, fürsorglich war es auf jeden Fall. Ob ich ihr nochmal begegnen würde oder fand sie eine Möglichkeit, über den umgestürzten Baum zu kraxeln? Ich würde es merken. Links und rechts des Weges blühte schöner Ginster, das Gelb mischte sich gut mit dem Grün des Waldes und dem Braun des Weges, der immer wieder auch größere Steine und Wurzeln aufwies. Ohne weitere Begegnung kam ich dann zu der beschriebenen Stelle, wo der Weg endete und die kleine Straße in zwei Richtungen weiter führte. An dieser Gabelung stand eine zwar alte, aber noch besitzbare Bank. Ich beschloss, hier noch eine Rast einzulegen. Einerseits konnte ich eine kleine Pause gebrauchen, ehe ich dann den Weg nach oben zurück ging. Andererseits war ich neugierig, ob ich wartend nochmal eine Begegnung haben würde.  Nicht der Dritten Art, aber in Form eines anständig angezogenen Menschen. Ganz schön mutig, denken Sie? Ja, ganz schön kess! Dachte ich auch, ließ mich dann aber auf der Bank nieder. Ich wollte mir ein Viertelstündchen gönnen, nicht zu wenig, nicht zu viel. Den Rest sollte das Schicksal entscheiden. 

Die Minuten vergingen aber nichts tat sich. Enttäuscht und gleichzeitig froh erhob ich mich und ging auf dem Weg nach oben zurück, 1,2 km lagen vor mir. Nach kurzer Strecke kam mir doch tatsächlich die Frau mit Hund wieder entgegen. Sie wollte wohl doch nicht über den Baum klettern und hatte umgedreht oder kam ja vielleicht sowieso aus der Richtung, wo auch ich gerade herkam. „Na, sowas!“ sagte sie. „Doch verlaufen? Kann ich Ihnen helfen?“ Es entwickelte sich ein kurzes, erklärendes Gespräch über meinen Aufenthalt im Pfalzwagen, dem Naturismus und dem Nacktwandern. Das alles völlig ungezwungen. Wir schauten uns dabei in die Augen, ich streichelte den Hund, alles war irgendwie total easy. „Na, dann einen guten Heimweg“ sagte sie zum Abschied. Beide gingen wir in verschiedene Richtungen und ich war irgendwie total glücklich. Die Begegnung hätte auch anders verlaufen können, oder!? Aber noch hatte ich ja gerade erst den Rückweg begonnen, es konnte sich also noch viel ereignen. Gemütlicher als auf dem Hinweg schritt ich den Weg entlang, gemütlicher auch deshalb, da er ziemlich anstieg. Das hatte ich vorher nicht so bemerkt, da ging es sich halt leichter. Da blieb immer wieder Zeit für eine kleine Verschnaufpause und einen achtsamen Blick in die mich umgebende Natur. Viele der Bäume waren mit Moss bewachsen und ich wusste, dass das immer die Wetterseite war, also nach Westen gerichtet. Ich sah viele interessante Astformationen, die bei einiger Fantasie an Tiere oder irgendeine Skulptur erinnerten. Das späte Licht schien durch die  Baumkronen hindurch und verzauberte den gesamten Wald. Und mich! Auch der Waldboden hatte einiges zu bieten. Abgesehen von dem kunstvollen Durcheinander, das der Sturm geschaffen hatte, wuchsen auch kleine Blumen überall und der gelbe Ginster am Wegrand leuchtete in der Nachmittagssonne. Wie das wohl erst bei Sonnenuntergang illuminiert wäre? Mein nächster Spaziergang hierher würde auf jeden Fall noch später stattfinden, dessen war ich mir sicher! Ich müsste noch die genaue Zeit des Sonnenuntergangs googeln und abschätzen, wann wohl die beste Zeit dafür wäre. Mein Atem ging tief und gleichmäßig, ich war entspannt, auch dank der Vorfreude auf so ein Erlebnis. 

Ich schritt immer wieder weiter und kam bald an die Stelle, an der der Weg versperrt war. Diesmal kletterte ich, zwar mühsam hinüber, mich immer wieder an den Ästen haltend. „War doch gar nicht so schwer“ sagte ich mir danach und war auf der anderen Seite. Eine kurze Rast auf dem Baumstamm und ein großer Schluck aus meiner kleinen Eisteeflasche, es konnte weiter gehen. Nach einem kurzen Stück Richtung Pfalzwagen bog aus einem Seitenweg rechts wieder eine Dame und wieder mit Hund in den Weg ein. Diese war deutlich älter und sah aus der Ferne ziemlich bieder aus, was heißen soll, dass sie vielleicht nicht einem Nackten gegenüber nicht so zugänglich war wie die der ersten  Begegnung. Auch der Hund war deutlich größer, ein Labrador oder sowas ähnliches. Sie würdigte mich eines kurzen Blickes, was sie dachte wollte ich lieber nicht wissen. Dann ging sie mit Hund weiter. Ich verlangsamte mein Tempo, denn ich wollte ihr nicht unbedingt näher kommen. Vielleicht sah sie aber auch nicht mehr so gut und hatte die Textilfreiheit meiner Person nicht bemerkt. Es gibt ja auch fleischfarbene Freizeithosen. Wobei die im Genitalbereich nicht unbedingt so deutlich etwas Männliches abzeichneten.  Als ich dachte, der Abstand sei groß genug, wurde auch ich wieder schneller, denn ich hatte Hunger bekommen. Mein iPhone zeigte mir nur noch einen Zuckerwert von 95. Zeit, etwas zu essen und das nicht unbedingt nur ein Stückchen Traubenzucker. Heute Abend würde ich mir auf meinem Gasgrill Putensteaks a la Chef zubereiten, in Butterschmalz knusprig gebraten und mit einem improvisierten Sößchen. Dazu hatte ich einige Zutaten, die mir in den Sinn kamen. Joghurt, Gemüsebrühe, die inzwischen geflockt war, natürlich Salz, Pfeffer und Chili. Mir lief das Wasser im Mund zusammen und ich wurde ein wenig schneller. Bald erreichte ich den Abzweig mit dem alten Baum, grüßte ihn und ging die letzten 200 m bis zu meiner herrlichen Unterkunft. Geschafft!!!

Kaum angekommen, nahm ich erst einmal eine erfrischend kühle Dusche aus der Gartenschlauchbrause, die ich so platziert hatte, dass sie mich gut berieseln konnte. War das herrlich bei dieser Temperatur von immer noch 26 Grad. Es war 18:00 Uhr. Pudelnass und erfrischt setzte ich mich auf einen der rustikalen Stühle und rauchte eine Zigarre an. Dann bereitete ich alles für mein Abendessen vor. Der Gasgrill wurde auf dem Tisch platziert, die Zutaten wurden bereit gelegt und im Kühlschrank befand sich noch eine Dose Cola Zero. Der leere Platz wurde gleich wieder aufgefüllt. Aus Richtung Wagentür machte es ein „Klopf, Klopf!“ das ich zunächst gar nicht war nahm. Erst als es lauter wiederholt wurde „Klopf, Klopf. Hier ist Nicole!“ nahm ich es bewusst war. Da sie ja von meinem Naturismus wusste, wagte ich es nackt an die Wagentür zu gehen und zu schauen, was sie wollte. Mit einem „Es stört Dich hoffentlich nicht“ begegnete ich ihr und sie sah nun meinen fast 70-jährigen Körper, der sie ja nicht unbedingt faszinieren würde. „Ich bringe Die die restlichen Sachen vorbei, die ich eingekauft habe“, sagte sie, mir fest in die Augen schauend. Den Blick ebenso erwidernd entgegnete ich „Danke Dir, meine Liebe, sehr nett von Dir“. Noch ein kurzes Gespräch von einem nacktem Mann zu einer angezogenen Frau und sie verabschiedete sich wieder, mir noch einmal zu lächelnd. Schade! Ich war wieder allein mit meinen Gedanken, die durchaus ein längeres und intensiveres Gespräch mit Nicole in Betracht gezogen hatten. Seufz!!! 

Als emotionaler Ersatz musste mein Abendessen herhalten, dem ich mich nun mit Ernüchterung widmete. Das Ritual war längst nicht so schön wie zu zweit, aber das Essen gelang ganz gut und am Ende hatte ich Nicole fast vergessen und widmete mich dem kulinarischen Schmaus vom Gasgrill, in einem Schäferwagen, in der Pfalz! Dazu gab es eine gekühlte Cola Zero, nicht etwa eine Flasche Wein zu zweit! Das Leben ist hart, wie wahr! Auch den Abwasch erledigte ich alleine, stets an die Möglichkeit denkend, was eine Frau mir jetzt bedeuten würde. Danach ergab ich mich meinen Träumen auf dem breiten Bett, das mir allein gehörte. Diese Träume bleiben geheim, die gehen Euch nichts an. Nicht alles Schöne muss hier beschrieben werden.     

Auch alleine kann man sich eine gemütliche Abendstimmung schaffen. Lagerfeuer und Würstchen direkt im Feuer grillen. Die Natur ist auf jeden Fall dabei!

Um 21:15 Uhr ist offizieler Sonnenuntergang an diesem Sonntag, den 15. Mai 2022. Heute werde ich noch keine nächtliche Wanderung durch den Wald unternehmen. Dafür habe ich eine gute Stirnlampe dabei, die nicht unbedingt in den seitlichen Wald hinein strahlt, um keine Tiere aufzuscheuchen. Jetzt bin ich zu müde von der Anreise. Auch den restlichen Inhalt meines Koffers werde ich morgen früh auspacken. Ich neige ja dazu, ab 5:00 Uhr spätestens wach und auf zu sein. Das passt dann mit dem Sonnenaufgang um 5:30 Uhr zusammen. Wenn die frühmorgendlichen Temperaturen es zulassen werde ich einen erfrischenden Waldspaziergang machen. Die erwachende Natur genießen und mir Appetit fürs Frühstück holen. 

Gute Nacht Pfalz!!!

 

Montag, 16. Mai 2022  - Der Tag -

Bereits um 2:00 Uhr werde ich das erstmal wach. Meine Blase drückt. Diese inzwischen 69-jährige Einrichtung fordert meist einmal in der Nacht herausgelassen zu werden, der Inhalt meine ich. Um die zwar moderne und gute Camping-Hygiene-Toilette im Wagen nicht überzustrapazieren erledigte ich diese kleineren Geschäfte natürlich im Wald. Nicole würde es mir unwissentlich danken. Ich brauchte keine Stirnlampe, eine kleine tragbare Batterieleuchte tat ihren Dienst, bis ich abseits vom Wagen am Wegrand Erleichterung finden konnte. Ich ging dann doch noch den Weg hinunter bis zu meinem alten Baum, um ihm einen guten Morgen zu wünschen. Die Luft war nicht kalt, aber mit 16 Grad doch angenehm erfrischend. Zurück legte ich mich nochmals hin und schlief doch tatsächlich bis 7:00 Uhr durch. Eine morgendliche Wanderung hatte ich damit zeitlich verpasst. Ich zuckte die Schultern Man sollte die Dinge ja so nehmen wie sie kommen, also dachte ich mir „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“. Ich bereitete mir ein  gutes Frühstück, viel Bacon-Schinkenspeck und 3 Eier, dazu eine Scheibe Bauernbrot zu. Das genoß ich mit einem guten Kaffee natürlich  draußen am größeren Gartentisch. Im Wagen gab es so eine Kaffee-Durchdrückkanne, keine Ahnung wie die genau heißt. Nicole hatte dazu frischen gemahlenen Kaffee in einer verschließbaren Dose. Diese Art Kaffeezubereitung hatte ich noch nicht ausprobiert, zog sie aber meinem löslichen Kaffee aus dem Glas vor. 

Um es vorweg zu nehmen, dieser Montag sollte nicht aufregendes oder emotionales bringen. Keine größere Wanderung, nur einige kurze Abstecher in den nahen Wald. Ich nutzte den Tag, um einerseits meine weitere Zeit hier zu planen und vor allem auch, um mit meinem neuen Buch weiter zu kommen. „Geh` in die Klinik Deiner Wahl“,  Untertitel „Leben und Leiden in der Psychiatrie“. Meine elektronische Datei war mir abhanden gekommen und mühsam musste ich die bisherigen 130 Seiten wieder zusammen suchen. Fast 40 Seiten musste ich neu anhand von Notizen aus dem Gedächtnis neu schreiben. Das hatte ich längere Zeit vor mir hergeschoben und so hatte ich mich erstmal wieder in Inhalt und Buchstruktur reinzudenken. Seufz! Dieser Tag war auch dafür geeignet, da das Wetter heute nicht so warm werden sollte. Sogar etwas Regen war angesagt. 

Also sammelte ich zunächst das Geschirr vom Frühstück, ein sofortiger Abwasch lohnte sich noch nicht. Die gute Pfanne, die mir Nicole ausgeliehen hatte wurde mit Wasser aufgekocht und mit Haushaltstüchern gereinigt. Sie war danach blitzblank und für den nächsten Einsatz bereit. Danach machte ich auf den Weg, mir mal den zweiten Wagen anzuschauen. Nicole hatte gesagt, er wäre offen und ich könnte den Aussenbereich, zB den Grill ruhig mitbenutzen. Also machte ich mich auf den Weg, die provisorischen Treppen zum Parkplatz hoch und dann über das private Grundstück, an einem  Teich entlang und schließlich den kleinen Weg zum Pfalzwagen 2. Natürlich konnte ich diese Expedition nicht textilfrei durchführen, es gab schließlich auch Gäste der Ferienwohnung, die Nicole ebenfalls vermietete.     

Bei soviel Liebe zum Detail wie hier in Wagen 2 war es schon eine Überlegung wert, den beim nächsten Aufenthalt, den ich bereits für Mitte Juli geplant hatte auszuprobieren. Aber mir war dann die unmittelbare Nähe zum Grundstück und das damit verbundene Gefühl der Beobachtung, so dass ich mich nicht frei genug fühlen würde, nicht angenehm. Ich beschloss, auch beim nächsten Mal meinen bewährten Wagen 1 zu buchen. Den Rückweg versuchte ich ebenso wie die beiden Mädels am Tag zuvor über den Hang. Es war schon ein nicht ungefährliches Gestolpere, aber ich gelangte unmittelbar beim Außenbereich des Wagens an, ohne dass ich mir einen Haxen gebrochen hätte. Hätte ich mir dabei in die Hosen gemacht so müsste ich diese nun ausziehen, so aber wollte ich es. Textilien abzulegen ist einfach ein schönes Gefühl. Sofort umstrich der Wind wieder spürbar meinen ganzen Körper, ungebremst von einer störenden Schicht. Ich beschloss, an meinem Buch weiter zu arbeiten, nachdem ich ja nun die Struktur wieder gefunden hatte und auch meine Gedanken zum Thema zurück gekehrt waren.

Der weitere Tag verging wie schon gesagt recht unspektakulär. Zur Mittagszeit gönnte ich mir ein recht gut gelungenes Essen vom Grill. Putensteaks, Cross gegrillt und mit einer Pfeffer-Sahnesoße a la Chef. Dazu wieder eine Scheibe Bauernbrot. Mit einer weiteren Scheibe wischte ich die Reste in der Pfanne aus, ehe ich diese wieder auf beschriebene Art und Weise reinigte. Mit einer guten Tasse Kaffee und einer Zigarre relaxte ich eine Weile auf der kleinen Bank, die keine 10 m entfernt am Hang stand und von der ich einen guten Blick abwärts auf einen Teil des Waldweges hatte. Menschen, die dort entlang spazierten würde ich wahrnehmen, sie mich aber auch, wenn sie nicht gerade mit sich oder ihren Hunden beschäftigt nur auf den Weg schauen würden. So war ich sowohl Teil der Natur als auch der nahen Zivilisation. Nach einer Weile hörte ich tatsächlich eine Stimme aus Richtung Straße. Aber ehe ich sehen konnte, zu wem die Stimme gehörte, nahm ich den Hund von Nicole war, der wie immer etliche Meter vornweg strolchte. Bald darauf kam auch sie in mein Blickfeld. Wir winkten uns zu, wechselten einige Worte über unser Befinden und sie ging weiter, ihre gewohnte Gassistrecke lang, die sie in einem großen Bogen wieder zum Haus zurück führen würde. In Gedanken war ich auch bei der Möglichkeit, dass ich hier auf meinen „Freund“, den unangenehmen Zausel mit seiner Abneigung gegen Nackte und seiner „Ich-hole-gleich-die-Polizei“ Androhung treffen konnte. Ich fühlte mich diesmal zwar besser vorbereitet, aber zu einer Provokation wollte ich eine solche Begegnung doch nicht kommen lassen. Irgendwie musste ich lächeln und ein kleiner Teufel ritt mich. Ich stand auf, brachte Kaffee und Zigarre zum Tisch und ging den kleinen Pfad zum Weg hinunter. Bis dahin konnte ich gut schauen, ob jemand im Anmarsch war. Als ich niemanden ausmachen konnte ging ich den Waldweg hinunter bis zu meinem alten Baum. 

Mich an ihn lehnend atmete ich einige Male tief ein und aus. War ich angespannt? Vielleicht ein bißchen, denn von oben kommend sah ich einen Mann mit Hund kommen! Ohjeh, werden Sie nun denken. Jetzt ist es soweit! Die Begegnung steht bevor. Ja, hätte sein können, aber es war nur visuell. In Gedanken war ich so bei dem Zausel, dass ich mir dass wohl eingebildet hatte. Schade, werden Sie jetzt auch denken. Gespannt, wie die dann unvermeidbare Begegnung ausgehen würde. Vielleicht auch mit ein wenig Schadenfreude oder erhoffter Spannung, dass endlich was passiert in meiner Beschreibung! Geduld, Geduld! Ich möchte nicht Ereignisse des nächsten Tages vorweg nehmen, aber warten Sie ab! In dieser geruhsamen Zeit am Baum fielen mir die ersten Zeilen für das Gedicht ein, das Sie in diesem Bericht lesen können. Schnell machte ich mich auf den Rückweg, um sie gedanklich nicht zu verlieren und weitere hinzu zu fügen. Ohne Zwischenfall kam ich zum Pfalzwagen und setzte mich gleich an mein MacBook, um zu reimen. Es dauert nicht sehr lange, da war mir ein gutes Gedicht zum Thema Naturismus, Nudismus, Toleranz … gelungen. Zufrieden klappte ich mein MacBook zu und atmete durch.

Es begann zu tröpfeln. Regen war ja leider angesagt. Also räumte ich meine Sachen in den Wagen. Ich wollte aber etwas Regen auf meiner nackten Haut durchaus genießen und wartete noch ab. Wahrscheinlich würde ich dann bei einem Spaziergang auch keiner Menschenseele begegnen, Feuchtigkeit schreckte halt doch die meisten ab. Ich hatte zwar auch einen Schirm dabei, aber nicht um damit nackt durch den Wald zu laufen. Wie blöd hätte das denn aussehen!? Regen ist für nackt wandern ist eigentlich ein gutes Argument.„Ich brauche so meine Klamotten nicht zu trocknen. Ausserdem habe ich gleich geduscht“. Dieser Logik könnte man sich doch nicht entziehen, oder? Das Getröpfel wurde mehr und bald regnete es leicht. Wind kam nicht auf, die Temperatur lag bei 23 Grad, also stand dem Versuch, eine feuchte Nacktwanderung zu unternehmen nichts im Weg. Meine Rundmütze, die mich outdoor sowieso immer begleitete würde mich dabei schützen. Meine kleine Umhängetasche war noch gepackt, eine Flasche Cola Zero kam noch hinein und nach dem Abschließen des Wagens ging ich heute doch noch auf Tour.

Der Regen kam nur stellenweise auf dem Weg durch und auch nur dort, wo der Wald immer wieder mal lichter wurde und die Baumwipfel sich zurückzogen. An diesen Stellen genoß ich es besonders, die leichte Feuchtigkeit auf meinem Körper zu spüren. Ich hätte auch nichts dagegen gehabt, wenn der Regen stärker geworden wäre. Einmal nass ist es einem dann ja fast egal, ob man noch nasser wird. Fröhlich, meine Entscheidung nicht bereuend schlenderte ich nun den anderen Weg entlang, den, der vom alten Baum aus aufwärts führte. Hier gab es anscheinend mehr lichte Stellen und der leichte Regen hatte größere Chancen durchzudringen. Auch der Himmel zeigte ab und zu ein Einsehen in Form von blauen Flecken. Auf dem weiteren Weg nahm der Regen etwas zu und ich konnte dieses Gefühl auf der Haut so richtig genießen. Die Wegkreuzung, an der sich der Weg in 3 Richtungen verteilte war nahe. Ich entschloss mich, mal nach links zu gehen. Laut Karte konnte man hier nach einiger Zeit abwärts über einen Seitenpfad auf den Weg stoßen, den ich gestern gegangen war. Niemand war zu sehen oder in weiterer Entfernung auszumachen. Vielleicht lag es doch am Regen obwohl ja Hundebesitzer hart im Nehmen sind und bei Wind und Wetter ihren Schützling ausführen. Der noch unbekannte Weg entpuppte sich als sehr schön. Der Wald war hier nicht so dicht, viel Grün und Gelb begleitete mich. Nach rechts hätte ich immer wieder den hang hinauf gekonnt, um quer durch den lichten Wald zu spazieren. Aber Laub und herumliegende Äste waren nass, vielleicht glitschig und dabei auszu-rutschen, dazu hatte ich nicht unbedingt Lust. Nach etwa 500 m gabelte sich der Weg und an dieser Stelle stand eine Bank. Grün gestrichen und noch gut in Schuss lud sie mich förmlich ein, auf ihrem feuchten Holz Platz zu nehmen. Eine nasse Hose würde ich jedenfalls nicht trocknen müssen, dachte ich als ich mich niederließ und lachte. Aus einer dunklen Wolke entlud sich dann einige Zeit später doch ein kräftiger Guss. Zunächst war es nicht so angenehm, aber nach wenigen Sekunden wandelte sich dieses Gefühl in ein wohliges, fast so wie bei einer normalen Duche. Der Regen war ja bei 23 Grad Lufttemperatur auch nicht so kühl. Ich stand auf und streckte mich dem Nass entgegen. Mit breiten Armen auf dem Weg stehend, mich eins fühlend mit der natürlichen Umgebung des Waldes, das war ein neues, noch nicht erlebtes Gefühl. Jetzt hätte ich gerne mit einer Seelenverwandten im Regen getanzt. Ich war immer wieder auf der Suche nach entsprechenden Kontakten, aber bis jetzt hatte sich noch nichts ergeben. Zu sehr waren diese Möglichkeiten von monetären Hintergründen geprägt, auch wenn die Werbung dafür stets anders aussah. „Kein Fake. Echte Kontakte. Keine finanziellen Interessen. Auch in Deiner Nähe“. Ich löste mich von diesen erotischen Gedanken, wollte ich mich doch weiterhin dem Natürlichen hingeben. Aber ich möchte „am Ball“ bleiben, hat mir doch meine Frau signalisiert, dass ich sexuelle Kontakte haben darf!!! Sie ist nämlich der Erotik und ganz besonders sexuellen Bedürfnissen sozusagen abträglich. Ihr scheint ihre Ruhe auf diesem Gebiet wichtiger zu sein als dass ihr Mann sich dafür andere Frauen sucht! Traurig, aber wahr! Was soll ich also tun. Was meint Ihr dazu!!!???

Ich bin irgendwie traurig wegen solcher Gedanken, aber werde meinen erotischen Weg irgendwie gehen müssen. Wie, das weiß ich noch nicht! Das reine Ficken, um es mal deutlich auszudrücken, liegt mir vermutlich auch nicht! Seufz!!! Das war ein kurzes Intermezzo, das mit Naturismus und der Natur nichts zu tun hat! Sorry!!!.

Wir waren bei den Gefühlen, die Regen auf dem nackten Körper auslöst. Ich kann nur sagen, es sind einmalig schöne Gefühle, die sich mit den anderen ergänzen. Nacktsein in der Natur, ich kann es gar nicht oft genug erwähnen, ist eine Erfahrung, die man erlebt haben muss. Kein Lesen oder Hören darüber kann das ersetzen!!! Kurzum, der Regen lies auch wieder nach und ich machte mich auf den Rückweg zum Pfalzwagen. Wenn ich eingangs zu diesem Tag auch erwähnt hatte, dass sich Spektakuläres ereignen würde, so betraf dies mögliche oder tatsächliche Begegnungen mit anderen Menschen. Denn das sollte bis zu meiner Ankunft in meinem jetzigen Zuhause so bleiben. Ich traf niemand und das war aufgrund meiner Sentimentalität auch gut so. Die Uhrzeit meiner Rückkehr weiß ich nicht mehr, sie ist auch gleichgültig. Ich setzte mich an meine Feuerstelle, bereit, diese auch vor Einbruch der Dunkelheit anzufachen, einfach um diesen Feuerschein genießen zu können. Ich hatte 2 Flaschen guten Rotwein, 3/4 l, dabei. Eine davon brauchte ich jetzt irgendwie, einmal um das Kommende genießen zu können und andererseits meine Gedanken nicht einer völligen Traurigkeit zu überlassen. 

Die Feuerstelle war noch nicht genug vorbereitet, es mangelte noch an Anfeuerholz. Dies fand ich aber in der nahen Umgebung, meist unter Büschen, wo es trocken geblieben war. Der Regen war vorbei, mein nackter Körper wieder getrocknet und so machte ich mich auf die Suche nach kleineren Ästen und Zweigen, mit denen ich ein Feuer anfachen konnte. Ein emotionales Feuer??? So schien es mir fast. Ein halbe Stunde später loderten die Flammen empor und der Anblick war extrem schön und beruhigend. Dazu genoß ich den Rotwein, eine Zigarre und die Zeit, die so schön war. Die Dunkelheit schlich sich an, es wurde um 22:00 Uhr richtig stockduster. Der Vollmond war nicht zu sehen, der Winkel war dafür wohl zu flach und der Wald schluckte ihn einfach auf. Das Feuer brannte irgendwann herunter und als die Glut so verträglich war, dass ich sie ihrem Schicksal überlassen konnte war es Zeit für mich, auf mein schönes Bett zu liegen, einzuschlafen und vielleicht einen schönen Traum zu haben! Vielleicht erschien mir ja eine erotische Fee mit 3 herrlichen Wünschen, die ich dann ab morgen umsetzen konnte ...

  

Gute Nacht Pfalz!!!

 

 

Dienstag, 17. Mai 2022  - Der Morgen -

Heute morgen, als ich um 5:00 Uhr wach wurde, hatte es nur 13 Grad. Selbst für einen Naturisten ein wenig frisch, um sich nackt mit der Natur zu verbünden. Da war es im Bett schon noch angenehmer und ich beschloß, noch ein Stündchen dort zu verweilen. Eine Fee war mir nachts natürlich nicht erschienen, erotische Träume hatte ich auch nicht. Meine Planung für heute morgen, es soll ja bald angenehmer werden, war es, eine Wanderung durch den Wald zum nächsten Ort, Altleiningen durchzuführen. Dort solle es einen Bäcker und auch einen Dorfladen geben. Der Weg dorthin mit nicht ganz 3 km ist laut Nicole sehr schön und nicht anstrengend. Das hatte sich gut angehört und meine Lust auf diesen Spaziergang geweckt. 

Nachdem ich also bis 7:00 Uhr nochmals eingeschlafen war, erhob ich mich endlich, um den Morgen draußen zu begrüßen. Die Sonne schien auf den Aussenbereich des Pfalzwagens und tauchte ihn in ein schönes Licht, das durch die Bäume fiel. Die Strahlen wärmten jetzt doch etwas und trugen dazu bei, dass sich die inzwischen 17 Grad angenehm anfühlten. Ich streckte meinen nackten Körper der Sonne entgegen und räkelte mich ausgiebig. Heute morgen wollte ich mir nochmal Eier mit Bacon-Speck zum Frühstück machen. Morgen sollte es dann Brötchen geben, die ich in dem besagten Dorfladen kaufen wollte. Eine Wanderung von fast 6 km, um Brötchen zu holen! Wahnsinn, oder? Aber dabei stand ja das Wandern im Vordergrund und nicht das Einkaufen. Geplant war natürlich, diese Wanderung wenigstens streckenweise nackt zu erleben. Das war ja mein Bedürfnis, um wieder Erfahrungen zu haben oder zu sammeln, die mich in meinen Gefühlen bestärken sollten. Was hätte ich dafür gegeben, dies mal in einer Gruppe Gleichgesinnter zu erleben, aber die waren weit weg, im Norden oder Osten. Hier im Süden jedenfalls nicht, oder musste ich nur noch intensiver suchen und nachforschen?

Mit diesen Gedanken machte ich mir mein Frühstück, der mobile Gasgrill und die Nicole-Pfanne funktionierten wieder gut. Diesmal nahm ich mein Essen an dem Tisch im Wagen ein, draußen sorgte ein leichter Wind dafür, dass ich mich so ohne Textilien nicht ganz wohl fühlte. Danach schrieb ich noch ein wenig in meinem Buch weiter und auch meine Tagebuchnotizen als Grundlage für diesen Bericht mussten aktualisiert werden. Ich ließ mir Zeit, bis die Temperaturen die 20 Grad überschritten hatten und auch der Wind nachließ. Diesmal reichte meine kleine Umhängetasche nicht aus. Ich brauchte ja zusätzlich einen Einkaufsbeutel und vor allem etwas Kleidung, denn nackt einzukaufen, das würde schließlich nicht gut ankommen. Also packte ich meine größere Umhängetasche von AIDA-Cruises, die schon etliche Jahre in Gebrauch war und die es in dieser Art gar nicht mehr gab. Ein Kreuzfahrt-Fossil sozusagen. Diese hatte auch den Vorteil, dass ich sie bei Begegnungen vor mich hängen konnte, um mich untenherum die Blicke nicht auf mich zu ziehen. So passte dann auch eine leichte kurze Hose und ein T-Shirt in die Tasche, für alle Fälle und zum Einkaufen. Ein weiteres mal tief durchschnaufen. Es war mittlerweile 9:30 Uhr geworden, das Wetter war angenehm. Ich schloß den Pfalzwagen ab und nahm den Schlüssel in meine Tasche. Auf ging's, ich startete zur bisher längsten und risikoreichsten Wanderung. Auf diesem Weg würde ich so einiges erleben können, dessen war ich mir sicher. 

Kein Mensch weit und breit, als ich den Waldweg geradeaus hinauf zur Wegkreuzung ging. Diesmal überquerte ich diese und ging weiter den Weg entlang, der in die Höhe führte. Diesen kannte ich noch nicht, das war Neuland. Der Karte nach führte er gut 600 m geradeaus, bis er auf eine Gabelung stieß, an der ich mich dann nach links Richtung Altleiningen wenden musste. Noch war er gut begehbar, wie die anderen auch, die ich bereits kannte. Der Wald war hier nicht dicht, viele lichte Stellen ließen die Sonne durch, so dass ich mich angenehm warm fühlte. Wie die bisherigen Male auch hatte es nicht lang gedauert, bis ich mich in meiner Nacktheit wohl und normal fühlte. Angenehm, so eine Einstellung zu bekommen, die es einem viel leichter machte, sich nicht ausgegrenzt zu fühlen. Die Gabelung kam in Sicht, der Weg führte hier abwärts darauf zu. Ich hatte wieder erwartet, eine Bank vorzufinden, wurde aber enttäuscht. Hier gab es keine. Also machte ich eine kleine Verschnaufpause im Stehen, ehe ich mich nach links wandte. 

Leider hatte die Karte keinerlei Hinweis enthalten, dass sich hier nach kurzer Strecke ein Sandweg auftun würde. Ein breiter Pfad mit tiefem Sand, der nur in der Mitte mal durch grüne Grasnarben leichter begehbar wurde. Ansonsten war es ziemlich mühsam, ihn zu gehen. Ich dachte auch gleich daran, wie meine Schuhe bei meiner Rückkehr aussehen würden. Wie einen Strand entlang so kämpfte ich mich mühsam und vor allem langsam weiter. Meine Gedanken galten nun mehr diesem mühsamen Umstand als meiner Nacktheit und einer eventuellen Begegnung. Diese ließ aber nicht lang auf sich warten. In einiger Entfernung erklang wildes Hundegebell und Gekläffe, das sich nach einer Meute mit einigen Hundebesitzern anhörte. Auweiha! Viele gegen Einen, dachte ich und überlegte schon, ob ich mich anziehen sollte. Ich verwarf den Gedanken aber wieder, denn ich wollte alle Konfrontationen bestehen, komme was da wolle, das hatte ich mir vorgenommen. 

Also stapfte ich tapfer weiter, Schritt für Schritt, meine Tasche vor mich haltend. Je näher ich kam, umso lauter wurde es und mit einem Mal schossen 4 kleinere Hunde, sogenannte Kläffer auf mich zu und umringten mich mit lautem Gebell. Ich ging einfach so gut weiter, wie es mir die kleine Meute erlaubte, die sich auch bald wieder von meiner Person löste und zurück sprintete. Zurück zu einer einzelnen Frau! Die hatte am Wegrand noch 2 größere Hunde bei sich, insgesamt also 6 Tiere und das ohne Leine. Alle Hunde versammelten sich um sie, während sie mich anschaute. Sie war vielleicht Ende Vierzig und sehr leger, um nicht zu sagen etwas schlampig gekleidet und nicht sonderlich hübsch. „Na, da haben Sie aber so einiges bei sich!“ sagte ich und begann ganz normal ein Gespräch. „Ja, da haben Sie recht! Deshalb gehen wir auch nicht zu spät Gassi, damit wir niemand belästigen. Entschuldigung, wenn meine Hunde Sie irritiert haben“. Kein Wort darüber, das ich ein nackter Mann war, dem sie hier begegnete oder warum ich denn so „ganz ohne“ hier herumlief. „Ist das der Weg, der nach Altleiningen durch den Wald führt?“ fragte ich sie. „Ja, ja. Immer geradeaus und dann geht es nach rechts den Waldweg hinunter in den Ort“. Damit war unser belangloses Gespräch beendet, wir wünschten uns noch einen guten Tag und jeder ging seiner Wege. Die Hundedame blieb mit ihrer Meute noch eine Weile stehen, um mir einen Vorsprung zu verschaffen. Das war mir sehr recht. Ich rückte die AIDA-Tasche an meinen Rücken, damit mein nackter Po nicht unbedingt sichtbar war. Nicht wegen der Hunde! 

Tapfer und wieder um eine positive Erfahrung reicher, was Begegnungen zwischen nackten und bekleideten Menschen anbelangt stapfte ich weiter auf diesem verdammten Sandweg. Nahm der denn überhaupt kein Ende! Das hätte ich die Hunde-Lady noch fragen können. Aber es dauerte noch ein  Weilchen, ehe sich ein Weg nach rechts abwärts auftat, wie beschrieben. Ich sollte jedoch vom regen in die Traufe kommen. Das war kein Weg, das war ein steiler Trampelpfad durch den Wald mit unzähligen Wurzeln und eingewachsenen Ästen. Vorsichtig, einen kleinen Schritt vor den anderen setzend rutschte ich mehr als ich ging diesen Trampelpfad hinunter. Im mittleren Abschnitt, als ich mich fast schon unten wägte, kamen noch größere Steine dazu. Jetzt ausrutschen, stürzen, dann war meine nackte Haut ungeschützt vor unvermeidlichen Abschürfungen. Das ist der Nachteil, wenn Mann unbekleidet ist. Aber auch dieses schwierige Drittel des Abstiegs schaffte ich unbeschadet und dann wurde es ebener und leichter. Ich erreichte den Weg, der oberhalb und parallel zum Ort verlief. Verschiedene Häuser konnte ich bereits sehen, wußte aber nicht, auf welcher Höhe der Ortschaft ich mich befand. Laut Karte hätte ich zur Hauptstraße 58, dort befand sich dieser Dorfladen, nach links gesollt. Ich blieb unentschlossen stehen. Der Weg bisher war beschwerlich genug gewesen, ich wollte keine Umwege mehr machen müssen. Außerdem musste ich mich bald entscheiden, Kleidung anzulegen, ich kam den Häusern ja immer näher. 

Da näherte sich von links eine Walkerin, nicht mehr ganz jung, aber gut aussehend. Irgendwie fühlte ich mich in meinem Outfit zum ersten Mal unwohl und ich verbarg meine Nacktheit so gut es ging mit meiner Umhängetasche. „Hallo, Sie! Darf ich Sie etwas fragen? Ich kenne mich hier nicht aus“. Sie musterte mich nicht sehr freundlich, sagte aber nichts zu meinem Zustand. „Ich möchte zum Dorfladen in Altleiningen. Muss ich da jetzt eher links oder rechts halten?“ Sie stützte sich auf ihre Stöcke und schien zu überlegen. „Also, ich glaube, Sie gehen am besten hier rechts und dann geradeaus bis ein Weg runter in den Ort führt“. Kurz angebunden walkte sie weiter und überließ mich meinem Schicksal. Das war wohl ihre Art, mit der ihr scheinbar unangenehmen Situation umzugehen. Obwohl mir ihre Auskunft irgendwie nicht logisch genug war, wandte ich mich der vorgeschlagenen Richtung zu. Noch war es ein relativ einsamer Weg und ich behielt meine Nacktheit an. Kurz vor dem Ort würde ich mich dann anziehen, so hatte ich es beschlossen. Der Weg führte eben und oberhalb der zu sehenden Häuser entlang. Noch war ich also im Bereich von Altleiningen. Es erschien mir endlos, als endlich ein Weg, eigentlich eine Treppe links nach unten führte. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, Hose und T-Shirt aus meiner Tasche zu holen. Unwillig zig ich mich an. Gleich machte sich ein Gefühl von Enge und Eingesperrtsein breit. Nackt ist es halt doch schöner. 

Die schier endlose Treppe nahm letzlich auch ein Ende und ich befand mich auf einer Straße. Die Hauptstraße war es jedenfalls nicht. Hier gab es Hausbesitzer, die ihren Vorgarten pflegten und die sicher wissen würden, wohin ich mich zu wendsen hatte. „Ja, da gehen Sie diese Straße lang, die führt dann auf die Hauptstraße und dann immer geradeaus“. Auf meine Frage, wie weit das ungefähr sein würde bekam ich die Antwort „So ungefähr 800 m müssen Sie schon gehen“. 800 m, ok! Aber in die Richtung, aus der ich auf dem Weg oberhalb gekommen war. So ein Mist! Ich hätte also an der Weggabelung die andere Richtung nehmen müssen. Da hatte mich die Walkerin doch gelinkt! Wahrscheinlich hatte sie mir als nacktem Zeitgenossen eins auswischen wollen! Ja, so ein Luder! Ich war stinksauer, aber mein Ehrgeiz hatte mich gepackt und ich wollte diesen verdammten Dorfladen erreichen. Und frische Brötchen einkaufen, zum Donnerwetter! 

Machen wir es kurz, liebe Leser! Die restliche Strecke schaffte ich, den Dorfladen erreichte ich auch! Brötchen gab es in Hülle und Fülle und aus Frust kaufte ich noch 2 Flaschen Rotwein, aus der Pfalz, Dornfelder, 0,75 l. Dann machte ich mich auf den Rückweg. Aber wohin? Durch den Wald wieder hinauf und den Sandweg entlang? Niemals! Ein Wegweiser an der Straße wies Carlsberg mit 4 km aus! Über 1 Stunde zurück, an der Straße entlang und dann noch mindestens 1/2 Stunde bis zum Pfalzwagen. Die köstlichen Brötchen wogen auf einmal sehr schwer! Der Wein würde ein Tröster sein, wenn … ja, wenn ich Carlsberg jemals erreichen würde. Was gab es für Möglichkeiten? Es war 8:15 Uhr! Eine Bushaltestelle zeigte mir, dass hier aufgrund von Umleitungen kein Bus fahren würde. Ein Anruf bei einem örtlichen Taxiunternehmen ließ mich erfahren, dass vor 9:00 Uhr niemand fahren würde und ausserdem eine Fahrt nach Mannheim Priorität hatte. Kruzifix aber auch noch einmal! Da fiel mir meine hilfsbereite Vermieterin, Nicole, ein. Ihre Rufnummer hatte ich ja! Biep … Biep … Biep! Der Anrufbeantworter! Einige Minuten später das gleiche! 

Ich machte mich mit meiner nun schwerer gewordenen Tasche auf den Weg. Den Weg entlang der Straße in Richtung Carlsberg. Vielleicht nahm mich ein gnädiger Anhalter mit! Angezogen hatte ich nun wahrscheinlich mehr Chancen, als Mann! Eine nackte Frau hätte hier vermutlich wieder andere Aussichten gehabt! Die Welt ist ungerecht, oder? Mein iPhone klingelte! Nicole!? Ja, sie war es. Natürlich würde sie mich abholen, sie war nur im Wald unterwegs gewesen. Hallehluhjah!!! Meine Gesamtstimmung stieg rapide an. Nach 10 Minuten hielt sie neben mir, ich durfte einsteigen und im Nu waren wir in Carlsberg und am Pfalzwagen. Ich hätte sie knutschen können, sie ließ aber nur eine freundschaftliche Umarmung zu! Hatte ich mir Hoffnung auf diese Frau gemacht, so waren sie wieder wie eine Seifenblase zerplatzt! Allein in meinem Schäferwagen, riß ich mir erstmal die Klamotten vom Leib, nahm eine erfrischende Gartendusche und versuchte tief durchzuatmen. Die frischen Brötchen, Kaffee aus der Spezialkanne, Wurst und Käse, das gab zusammen erstmal ein Super-Frühstück! Ich ging noch ein Stückchen bis zum Ortsausgang. Dort konnte Nicole gut wenden und mich dann aufsammeln.

Es dauerte auch nur wenige Minuten und sie kam angefahren, sah mich und hielt an. Ich stieg ein und war so froh, sie zu sehen. Wir brauchten keine 10 min zum Pfalzwagen. Ich hätte 1 1/2 Stunden benötigt. Mit einer herzlichen Umarmung, die musst sein, entließen wir uns gegenseitig in den Tag. Die provisorischen Stufen in Form von kleinen Steinplatten nahmen mich auf und ich öffnete den Wagen. Ich schaute auf meine Watch-Uhr, die mir eine gute Leistung anzeigte. Selbstverständlich hatte ich diese vor der Aotofahrt angehalten.   

Aber nun zum Frühstück. Wie bereits beschrieben gab es die frischen Brötchen. Dazu Butter, magere Wurst und gereiften Käse, Paprika geschnitten und gesalzen, sowie frischen Kaffee aus der Spezialkanne. Alles schön angerichtet auf dem Tisch mit Blick in den Wald. Dazu schien die Sonne durch die oberen Baumwipfel und beleuchtete alles.  Ich ließ mir Zeit für die gute Mahlzeit und den Kaffee. Achtsamkeit! Immer wieder, bei allem und vor allem den kleinen Dingen im Alltag, die man sonst so leicht nicht wertschätzte. Sich bewußt in Tempo und Eile zurück nehmen, inne zu halten und zu beobachten und zu spüren, welche Gefühle sich im Inneren einstellten. Das konnte sowohl Dankbarkeit als auch Zufriedenheit erzeugen. Mir ging es jedenfalls so. Diesmal hatte ich keine Nicole-Pfanne gebraucht, das machte das Aufräumen und reinigen leichter. 

Mittlerweile war es 10:00 Uhr geworden. Die Temperatur war auf angenehme 23 Grad angestiegen. Ich warf einen Blick auf meine Feuerstelle. Das gesamte Holz hatte sich in schöne weiße Asche verwandelt. Das sagte mir, ich müsste wieder. Holz sammeln gehen. Ok, dann war das jetzt meine nächste Aufgabe, wollte ich heute Abend ein nettes Feuerchen haben. Zunächst suchte ich den Hang neben und hinter mir ab. Dort gab es immer wieder versteckte kleinere Äste und auch dickere, kurze Holzprügel. Mehrmals ging ich hin und her und hatte schon einiges zusammen. Es reichte aber noch nicht. Mit einem Weidenkorb ging ich den kleinen Pfad zum weg hinunter, um dann auf der anderen Seite zu einem großen Gestrüpp und Unterholz zu gelangen. Hier wurde ich immer fündig. Manche Äste musste ich abbrechen oder sägen. Dafür hatte ich eine kleine Säge dabei. So beschäftigt bemerkte ich nicht, wie jemand, natürlich mit Hund den Weg in den Wald hinein ging. Das Mädchen nahm mich aber auch nicht wahr, sie  war sehr mit ihrem ungehorsamen Hund beschäftigt. Hätte mich eine Begenung erschreckt? Vielleicht ja, da es sich um ein junges Mädchen handelte, dem ein älterer nackter Mann im Wald vielleicht schon etwas suspekt gewesen wäre. Ich hatte genügend Holz gesammelt  und machte mich wieder auf den kurzen Rückweg, auch nach rechts schauend, ob nicht doch noch jemand auftauchte. Mit wenigen Schritten war ich an meiner Feuerstelle und lud meine Holzlast ab. Ich schichtete die dünneren Äste auf, darauf kamen die dickeren Holzprügel und dann 3 große Scheite aus einem Korb unter dem Wagen, die Nicole bereit gelegt hatte. Damit war meine Morgengymnastik beendet und ich konnte mich wieder angenehmeren Dingen widmen. Wie zB der Frage, was ich heute noch unternehmen würde. 

Da gab es schon mehrere Möglichkeiten. Nicole hatte mir ja das Schwimmbad in Altleiningen ans Herz gelegt, dass man zu Fuß … siehe Weg von heute morgen … erreichen konnte. Nee, nicht mir mir! Nicht nochmal Sandweg und dann noch einen Hügel hinauf zu diesem Bergschwimmbad. Allerdings fuhr auch ein Bus dorthin, ab Leichlinger Platz, mitten in Carlsberg. Dorthin führte aber uinächst eine Strecke von 2 km zu Fuß die Straße hinauf und hinunter, hinauf und hinunter. Und zurück leider mehr hinauf als hinunter. Der Wetterbericht hatte für heute bis zu 30 Grad angesagt! Also kam das auch nicht gerade in Frage. Blieb mir also nur, in der Gegend des Waldes und des Wagens zu bleiben und sowohl an meinem Buch zu arbeiten, als auch kleinere Wanderungen durchzuführen. Das erschien mir am Vernünftigsten. Von der Möglichkeit aber, mit einem der Busse andere Ortschaften und damit auch andere Wanderwege erkunden zu können, war ich begeistert und es schien es mir wert, im Internet dazu nachzuforschen. Nach einiger Zeit hatte ich eine Übersicht darüber, welcher Bus wohin fahren würde und wie lange das dauern würde. Nichtsdestotrotz begann jeder Ausflug in Carlsberg am Leißlinger Platz. Also zunächst 2 km oder 30 Minuten zu Fuß entfernt. Das würde ich auf jeden Fall auf mich nehmen müssen. Egal, ob ich nun zum Getränkemarkt Hepp nach Altleichtlingen wollte, die Haltestelle „Feuerwehr“ war in unmittelbarer Nähe. Oder mit dem gleichen Bus weiter den Berg in dem Ort hinauf, zum Schwimmbad. Kein textilfreies Bad natürlich, leider! Auch den Ort „Hertlingshausen“ konnte ich erreichen. Dieser schien von dichtem Wald umgeben und dort gab es sicherlich einsame Waldwege. Das von Nicole als sehr schön beschriebenes Örtchen „Höning“ konnte ich zwar auch mit einem Bus erreichen, aber leider von Carlsberg aus nicht direkt. Der Bus machte eine derartige Umwegschleife, indem er vorher andere Orte beglückte, dass eine Fahrt dorthin ca. 2 Stunden gedauert hätte … und wieder zurück. Bei aller Liebe zu alten und historischen Orstkernen, aber das war nix für mich.

Es hatte einige Zeit gekostet, meine Recherchen zu erledigen und auch verneünftig zu Papier zu bringen. Ich ließ es gut sein. Über Nacht bekam ich vielleicht den richtigen Einfall für den Mittwoch, meinen vorletzten Tag. 

Jetzt war richtige Arbeit angesagt, ich wollte in meinem Buch weiter kommen. Ihr erinnert Euch noch? „Geh` in die Klinik Deiner Wahl“ oder „Leben und Leiden in der Psychiatrie“. Bis zur Seite 100 hatte ich das Skript wieder beieinander, die Seiten bis 135 waren aschon mal da, aber elektronisch verschwunden und mussten anhand einiger Notizen aus dem Gedächtnis neu geschrieben werden. Und dann fehlten ja noch mindestens 170 Seiten, denn 300 Seiten als Minimum hatte ich mir zum Ziel gesetzt. Hier, im und am Pfalzwagen schien es mir natürlich viel leichter, über meine Erlebnisse, über Naturismus und Nacktheit zu schreiben oder auch nur nachzudenken. Ich sollte die Realität nutzen und zB meine Blogseite um dieses Kapitel „Pfalzwagen“ oder „Wie ich die Natur neu erlebte“ zu erweitern. Die Anzahl der Aufrufe mit fast 350.000 in 3 Jahren, nachdem es im ersten Jahr doch schleppend voran ging,  war zwar nicht schlecht, aber es könnte mit nur 1.900 Aufrufen pro Woche auch wieder besser werden. Ich hatte schon fast 4.000 gehabt. Noch eine Arbeit für meine To-Do-Liste, die auch immer länger wurde.

Die Uhr zeigte 12:00 Uhr. Ein etwas vorgezogenes Mittagsmahl konnte auch nicht schaden. Dazu der das Denken fördernde Pfälzer Dornfelder Rotwein, das war doch keine so schlechte Idee, oder? Nach Durchsicht meine „Speisekammer“ entschied ich mich für eine aussergewöhnliche Variante bzw. Kombination. Gebratene grobe Bratwürste, „abgelöscht“ mit Linseneintopf. Nun, ich mag Bratwürste und ich liebe Linsen, warum also nicht in dieser Kombi! Ich machte mich ans Werk. Nicoles Bratpfanne würde mir dabei gute Dienste leisten. Ich fühlte mich als Koch der Improvisation und legte los. Das Ergebnis hatte ich nicht fotografiert, optisch war es nicht fotogen, aber geschmeckt hatte es … mir … und das ist das Wichtigste. Ich war jedenfalls satt und mir war durchaus nach einem Mittagschläfchen. Warum denn auch nicht. Es war ein schönes Gefühl, sich nach getaner Küchenarbeit nackt auf dem breiten Bett auszustrecken, mit einer wohligen Decke von der Außenwelt abzuschotten und vielleicht etwas zu träumen. 

Gute Nacht!!! 

Nee, Quatsch natürlich:

Gutes Schläfchen!!!

 

Dienstag, 17. Mai 2022  - Der Nachmittag und Abend -

Mein Timer weckte mich nach 40 min. Ich war halb-wach und halb-träumend, einen Zustand, den ich irgendwie mag, aus dem ich auch nicht so leicht in die Realität finde. Diese war, dass ich mich im Pfalzwagen befand, es 14:00 Uhr war und ich den Nachmittag und Abend planen sollte. Das Wetter meinte es immer noch gut, das Thermometer war noch ein wenig nach oben geklattert und zeigte satte 28 Grad. Grund genug, eine Erfrischung unter der Gartenbrause zu nehmen. Also raffte ich mich aus meiner horizontalen Lage in die Senkrechte auf und ging nach draußen. Der Bereich vor dem Wagen lag im Schatten, die Sonne stand schräg über den Baumwipfeln. Mit meinen Badeschlappen stellte ich mich in den Strahlbereich und drehte den Hahn auf. Brrr! Im ersten Moment ein kleiner Schock, denn der Schlauch lag auch im Schatten. Die Sonnenkraft hatte ihn nicht erwärmen können. Aber ich gewöhnte mich nach einige Sekunden an das kühle Nass und dann war es nur noch schön, aber bald auch schon genug. Ich drehte ab und schütteltet mich wie ein nasser Pudel. Meine nassen Haare  strich ich mehrmals nach hinten, setzte meine Brille wieder auf und legte meine Uhr an. Auf dem Boden hatte sich eine große Pfütze gebildet, die nur langsam versickern würde. Auf dem Waldweg kam die Sonne an einigen Stellen durch die Bäume und ich beschloss, mich dort trocknen zu lassen. Auf und abschreitend nahm ich die Sonnenstrahlen überall auf dem Körper war. Es war mir gerade egal, ob jetzt jemand vorbei kommen würde. Ich würde nicht ausweichen, sondern Freude über diesen angenehmen Zustand zum Ausdruck bringen. 

Ich kam jedoch nicht in den Genuss, dieser Freude Ausdruck geben zu können. Bald nahm mich der Bereich meines Pfalzwagens wieder auf und ich machte mich bereit für eine erneute Wanderung in die nahe Umgebung. Ich überlegte, welchen Rundweg ich nehmen könnte, damit ich nicht immer den gleichen Weg und retour gehen müsste. Dazu bot sich an, den Weg nach oben zu gehen, eine Rast auf der grünen Bank einzunehmen und dann den für mich neuen Abstieg zu dem Weg zu nehmen, der mich dann aufwärts durch den Wald wieder nach Hause führen würde. Das wären ca. 4 km, also eine gute Strecke, bei der sich auch Begegnungen ergeben könnten.

- Ergänzung fehlt leider noch -

 

 

Kapitel „Zu viel Kram und Krempel“  

Könnt Ihr Euch vorstellen, dass ich die ersten beiden Male mit so viel „Unbedingt nötigen Dingen“ angereist bin, dass ich jeweils einen Mietwagen benötigt habe … habe ich mir allen Ernstes eingebildet. Im Durchschnitt hat mich das für jeden Aufenthalt ca. 250 € zusätzlich gekostet! Ein Wahnsinn!!! Man geht in die Natur und karrt alles mit dem Auto an. Der Pfalzwagen, könnte er denken, hätte mich für nicht ganz bei Trost gehalten. Nicole, meine Gastgeberin, hat nie etwas gesagt, aber vielleicht gedacht. Bei meinem dritten Aufenthalt im Mai 2022 werde ich sie mal vorsichtig fragen. Der ist nämlich mit Straßenbahn, Zug und Bus geplant. Ein Koffer und ein Rucksack, das muss reichen.

Wie Ihr auf den obigen Bildern schon erkennen könnt, waren dabei: Ein großer Sonnen-/Regenschirm, eine eigens gebaute Markise, um den Platz mit dem Tischchen und den Gartenstühlen zu überdachen, falls es regnet. Ich hatte sogar eigenes Holz dabei, eine große Kiste. Der Wald könnte ja über Nacht keines mehr haben!!! Lebensmittel füllten 2 große Kisten, als ob ich Angst haben müsste, hier zu verhungern!!! Eine große Werkzeugkiste passte auch noch ins Auto, also nichts wie rein damit. Sicherlich hätte ich mir bei der lieben Nicole was leihen können, aber als Mann ist man gerne auf sich allein gestellt, oder? Autark, sozusagen!!!

 

Im Mai 2022 geht es auch anders    

Bericht: Nacktheit stärkt das Selbstbewusstsein

Dazu zunächst ein eigenes Gedicht:

Ich wandre gerne frei und nackt.

So Mancher hält das für beknackt.

Doch Viele schätzen das gar ebenso

und fühlen sich entspannt und froh.

 

Hier bei uns im „wilden“ Süden

werden Nackte noch gemieden.

Im Osten und auch Norden

ist dies längst „normal“ geworden.

 

Dort gibt es sogar Wege, Schilder.

Die Menschen dort sind deutlich „wilder“.

Auf dem Rad oder  zu Fuß,

sich nackt bewegen ist Genuss.

 

Sogar ein Büchlein gibt`s zu kaufen,

mit vielen Tipps zum freien laufen.

Stets wird darin betont,

dass sich das Nacktgefühl sehr lohnt.

 

Gut für Körper und auch Seele,

wenn einen keine Kleidung quäle.

Die Achtsamkeit es deutlich stärkt

für die Natur, sei hier bemerkt.

 

Böse Menschen Nacktheit bringen

gleich mit sexuellen Dingen.

Entgegnen tun wir mit den Worten

Auch Ihr seid nackt an manchen Orten. 

 

Textilien bremsen oft als Schicht.

Naturgefühle spürt Ihr nicht

so intensiv wie ohne Stoff.

Probierts doch mal und meidet Zoff.

 

Erfahrung hat nur der, der sagt:

Ich fand es toll, ich hab`s gewagt!

Und ist`s für Euch halt nicht gegeben:

Dann lasst doch uns als Nackte leben!

 

Ich kann nur sagen, nackt zu wandern,

gab mir viel so wie den andern,

die schätzen dieses freie Leben.

Nacktheit ist von Gott gegeben!

 

Gerd K. Diesing

Leopoldshafen, Mai 2022

 

Ein positives Körpergefühl kann sich stark auf das allgemeine Glücksgefühl einer Person auswirken. Wer hingegen mit seiner Körperform unzufrieden ist, dessen allgemeines Wohlbefinden kann dadurch beeinträchtigt werden. Einige Studien deuten darauf hin, dass das Nacktsein unter Fremden - Nudismus oder Naturismus - ein positive Körpergefühl fördern kann - das nehmen wir mal genauer unter die Lupe.

Die meisten haben es schon mal erlebt – und wenn nicht, wird der Tag sicher kommen: Wir betrachten uns und unseren Körper im Spiegel, taxieren die Stellen, die wir nicht mögen, weil sie kleiner, größer, glatter oder am besten überhaupt nicht da sein sollten. Wenn wir zur selben Zeit von allen Seiten mit Bildern von perfekten Körpern konfrontiert werden, ist es kein Wunder, dass viele Menschen kein positives Körpergefühl haben.

So geht es vielen Menschen. In vielen Ländern der Welt herrscht eine große Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. Studien wie die von Andrea Pelegrini und Edio Petroski aus dem Jahr 2010, an denen Versuchsgruppen aus 24 Ländern teilnahmen, haben gezeigt, dass ein solches schlechtes Körperbild dazu führen kann, dass Menschen als Antwort auf dieses Problem ihre Essgewohnheiten radikal verändern.

Aus dieser Studie geht auch hervor, dass die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper häufig schon in der Kindheit beginnt. Die Autoren gaben an, dass „eine Studie mit Schülern der Sekundarstufe im Großraum Florianópolis, SC, ergab, dass 48,2 Prozent dieser Schüler mit ihrem Körpergewicht unzufrieden waren“. Und das „Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper sogar bei Kindern vor der Pubertät beobachtet wird.“ Dass es einen Zusammenhang zwischen einem positiven Körpergefühl und dem Selbstwert-Gefühl gibt, ist deutlich festgestellt worden. Nachzulesen ist dies etwa in einer Veröffentlichung von Hesketh et al. (2004), die sich mit Adipositas bei Jugendlichen befasste.

Eine nachweisbare Kausalität zwischen Selbstakzeptanz, Selbstwertgefühl und Lebenszu-friedenheit wurde in Studien unter anderem von Navarro et al. (2014) gezeigt. Diese bestätigen, dass „das Verhältnis des persönlichen Selbstwertgefühls zur Lebenszufriedenheit signifikant für beide Geschlechter war“. Eine logische Schlussfolgerung daraus ist, dass ein positives Körpergefühl wahrscheinlich zu einem höheren Maß an Zufriedenheit und Glück führt.

Nicole Wunram, aus: Nacktwandern