Wieder stationärer Aufenthalt ... und dann die Tagesklinik

Haus X - Städt. Klinikum
Tagesklinik für Sucht

Liebe Mit-Leidende und Suchtkranke ...

Wir schreiben den 13. Januar 2021 ...

die letzten Monate des vergangenen Jahres 2020 waren wieder geprägt von Depressionen und damit verbindenen Alkohol-Rückfällen. Wenn nichts mehr gegen eine inzwischen chronische Depression hilft aber der Alkohol diesen Zustand betäubt und erträglicher macht ... dann greift der suchtkranke Mensch, in diesem Fall ICH, eben wieder zur Flasche. 

Mitte Dezember 2020 wollte ich mich meinem scheinbaren "Schicksal" ergeben ... dann ist es eben so ... ich kann nicht mehr kämpfen, da ich keine Kraft mehr spüre. 

Ich weiß heute nicht woher ich dann doch die Kraft hatte am 11. Januar 2021 eine e-mail an meinen Therapeuten in der Klinik zu schreiben mit der dringenden Bitte um Hilfe. Der rettende Anruf von ihm kam einen Tag später mit der Zusage, dass ich am nächsten Tag ... am 13. Januar 2021 wieder stationär aufgenommen werden könnte. Die letzte Entlassung lag gerade mal 7 Monate zurück ... immerhin???

Ich will es kurz machen. Diesmal spürte ich eine Veränderung auf derr Station und in mir ... ich war ernsthaft ... wieder ... dabei über einbe dauerhafte Abstinenz nachzudenken. Hilfe und Unterstützung dafür kam 14 Tage später in Form eines ehemaligen "Gefährten" von Mai 2020. Er feute sich über meinen Anblick ebenso wie ich über die Tatsache, dass auch er den Weg wieder in die Klinik geschafft hatte. Nur mit einer kleinen Reisetasche und 2,7 Promille Alkohol im Blut machte er nicht gerade den besten Eindruck, aber es tat gut ihn zu sehen.

Wenig später sollte sich noch eine weitere wichtige Person zu uns gesellen ... damit waren wir zu Dritt. Ein Trio, dem nicht nur das frühe aufstehen gemeinsam war sondern auch die Bereitschaft offene und ehrliche Gespräche miteinander zu führen. Dies tägliche Zeit zwischen 5:30 und 7:00 Uhr war die wertvollste Zeit des Tages ... für jeden Einzelnen von uns. Wir schonten uns nicht, im Gegenteil. Außer Verständnis füreinander hagelte es bald "Kritik" und ehrliche Meinungen über den jeweils anderen.

"Günther" und "Hildegard" ... natürlich sind das nicht die richtigen Namen ... waren sich wie ich der Ernsthaftigkeit unserer Situation bewusst und wollten unbedingt etwas ändern ... änedern in Richtung LEBEN !!! Ich wusste ja bereits, dass es hier nicht mit einem kurzen Aufenthalt getan war ... die Beiden begriffen es bald und wollten sich ebenfalls die notwendige Zeit nehmen, die nun einmal erforderlich war. Wir wir bestärkten uns täglich in unserem Vorhaben, dem Leben noch eine Chance zu geben und dem Alkohol ADE zu sagen.

"Günther" ging nach 5 Wochen ... für ihn eine lange Zeit, ICH nach 9 Wochen und "Hildegard" kurz nach mir. Was kam aber nach diesem wertvollen stationären Aufenthalt? Uns war klar, dass ein sofortiger Einstieg in den Alltrag nicht gut war ... wir mussten unser "Vorhaben" der "Zufriedenen Abstinenz" noch irgendwie festigen. "Günther" und ICH entdeckten die Möglichkeit einer Anschlussbehandlung in Form eines teil-stationären Aufenthaltes in einer sogenannten Tagesklinik für Sucht. 

Und darüber möchte ich Euch im nächsten Abschnitt berichten.

Haus X - Tagesklinik für Sucht

Neugierig geworden für einen Aufenthalt in der o.g. Tagesklinik vereinbarte ich telefonbisch einen "Besichtigungstermin", der noch während meines stationären Aufenthaltes möglich war. Ein kleiner Spaziergang über das Klinikgelände brachte mich dann zum "Haus-X". Wie das gesamte Klinikum in Karlsruhe stammte auch dieses Haus ... die ehemalige Kinder- und Jugendpsychiatrie ... aus dem Jahre 1904, ein wunderschönes Sandsteingebäude. Noch vor dem eigentlichen Hauskonnte ich einen schönen Vorgarten bewundern, der gepflegt aussah und wohl auch zum Verweilen einladen sollte.

Nach Betreten des Hauses empfing mich ein Treppenhaus mit einer Mischung aus Altem und restaurierten Ambiente. Ich fühlte mich sofort wohl und war auf das weitere Haus gespannt. Nach der Eingangstür zum therapeutischen Bereich ... Hände vorher desinfizieren selbstverständlich ... wurde ich von nettem Personal begrüßt und zunächst über meine Vorstellungen einer Tagesklinik  und Erwartungen in diese Art der Therapieform befragt. Dann bekam ich einen weiblichen "Guide" zugeteilt, der mir alles zeigen sollte. Wegen CORONA war die Tageskjlkinik in 2 Gruppen aufgeteilt zu je max. 8 Personen. Als zusätzliche räumliche Trennung hatte man die Stockwerke aufgeteilt ... Gruppe 1, die Gruppe für Neuankömmlinge "bewohnte" das 1. OG. Über ein altes Treppenhaus, das man weiß und dadurch angenehm hell gestrichen hatte kamen wir in diesen Bereich, der auch hell und freundlich restauriert war. Zwei große und gemütliche graue Ledercouchen luden zum Relaxen ein ... allerdings mit der Einschränkung: "Nur 1 Person jer Couch" ... CORONA lässt grüßen.

Dieser obere Stock ist gemütlich, hell und lädt mich zum "Wohlfühlen" ein. Der große Aufenthaltsraum mit integrierter Küche ist perfekt, um meine Pausen hier zu verbringen. Daneben gibt es den Akupunkturraum, zwei Zimmer mit Tischen und Stühlen, die als Therapieräume genutzt werden und 3 kleinere Zimmer für Therapeuten. Ausserdem befindet sich hier oben das Damen-WC.

Im 2. OG ist die Verwaltung untergebracht sowie ein größerer Raum, der für die Bewegungstherapie genutzt wird. Wir gehen wieder zum EG hinunter und dann weiter in den Keller.

Hier unten sieht man das Alter des Gebäudes ... die dicken Wände sind weiß gekalkt und hinter den Stahltüren befinden sich die Räumlichkeiten für die Ergotherapie, also für die Entdeckung der eigenen Kreativität. Eine supertolle Holzwerkstatt lädt zum Arbeiten mit diesem natürlichen Werkstoff ein ... 2 Räume dienen als Gruppenräume für die Ergo. In vielen Schränken und Schubladen findet hier das Bastlerherz alles, was es begehrt ... bis hin zum Arbeiten mit Ton. Lediglich ein Brennofen fehlt ... die getöpferten Werke müssen zum Hauptklinikum und zu den  dortigen Ergotherapie-Möglichkeiten. 

Wir befinden uns wieder im EG ... hier haben die Gruppe 2, die Pflege und die Ärzte und Therapeuten ihre Räume. HIer befindet sich auch das Herren-WC und in der Küche der Kaffeeautomat ... heiß begehrt, obwohl der Kaffee nur aus einem Konzentrat, angereichert mit heißem Wasser besteht ... soll ich für meinen Aufenthalt meine Kaffeemaschine mitbringen??? Um Gottes-Willen ... meine Frau würde mich für verrückt erklären, was ja auch stimmt ... hahaha!!!

Mein Entschluss steht nach diesem Besuch fest ... 4 Wochen Tagesklinik im Anschluss an die stationäre Bahndlung im "Zentrum für Psychische Gesundheit". Die Vorfreude auf diese Zeit ist groß, wenn ich auch die Tagesklinik mit der Straßenbahn und zu Fuß erreichen werden muss. Noch eine Herausforderung ... aber während CORONA dürfte sich die Bahn wohl als nicht übervoll erweisen.

Die Restwoche auf der Station vergeht ziemlich schnell und am Freitag steht meine Entlassung an. 3 Tage zu Hause und dann am Dienstag, den 23. April in das Haus X ... das Leben geht weiter.

 

Suchttherapeutische Tagesklinik im Haus X

Wir schreiben den 23. April 2021 ... die Tage daheim sind gut verlaufen und heute geht es für 4 Wochen in die o.g. Einrichtung ... ich bin gespannt.

- Fortsetzung folgt -