"Restaurant Weiß" in Kürnbach im Kraichgau

Das "Restaurant Weiß" in Kürnbach im Kraichgau

Liebe Blogfreunde und Freunde kulinariacher Köstlichkeiten ...

es ist an der Zeit mal von unserem Lieblings-Restaurant, das "Restaurant Weiß" in Kürnbach im Kraichgau zu erzählen. Anlass dafür ist mein 68. Geburtstag am 5. Juni 2020 und die zeitgleiche Wiedereröffnung dieses Restaurants in der CORONA-Krise.

Also ... auf geht`s ...

5. Juni 2020 18:30 Uhr

Wir sind im "Restaurant Weiß" in Kürnbach/Kraichgau angemeldet und auch pünktlich dort. Heidrun und Karl-Heinz Weiß erwarten uns bereits ... sie haben uns einen gemütlichen Platz am Stammtisch gerichtet. In Baden-Württemberg muss ja nur das Service-Personal eine Maske tragen und so ist es auch bei Heidrun Weiß, der Service-Chefin und Birgit, ihrer Service-Kraft. Die Atemschutzmasken erinnern an transparente Visiere, geben den Betroffenen aber wesentlich mehr Luft als normale Masken ... wenn diese Art nach einiger Zeit auch nicht mehr ganz erträglich sein dürfte ... aber die zwei machen tapfer ihren Job und behalten dabei sowohl Humor als auch Freundlichkeit.

Ein Kontaktformular für jeden Gast gibt es natürlich auch hier, aber es ist relativ klein und auf die wesentlichen Daten beschränkt. Die Speisekarte ist dafür Gott-sei-Dank größer ... so, wie wir es von Karl-Heinz Weiß, dem Chef und Koch, gewohnt sind. Er hat die Zeit der CORONA-Schließung sogar für Neu-Kreationen genutzt, die spannend und unbedingt nach "Bestellt-werden" klingen. So zB eine Vorspeise "Virgin Bloody Mary mit Garnelen" ... das springt mir sofort ins Auge und ist für die Bestellung abgespeichert. Mit 68 Jahren endlich einmal eine "Jungfrau" vernaschen dürfen ... ein Traum, oder? Meine Frau bestellt eine "anständige" Vorspeise, ein "Parfait von der Entenleber im Pumpernickelmantel mit Orangen-Chutney". Dazu darf natürlich ein Kürnbacher Schwarzriesling nicht fehlen ... denn Kürnbach wird offiziell als das "Schwarzriesling-Dorf" bezeichnet.

Jetzt haben wir Zeit, das so lange Zeit vermisste Ambiente des Restaurants Weiß zu genießen. Wir mögen die nostalgische „Wohnzimmer-Atmosphäre“ … viele Details verstecken sich hier in diesem Lokal, das früher mal ein einfaches Gasthaus mit 2 Fremdenzimmern war … bis dann der Sohn von Weiß-Senior ein Restaurant daraus gemacht hat. Die Fremdenzimmer entfielen, die alten Türen aber verblieben und dienen heute als Büchernischen. Alte Bilder und Fotos von Kürnbach hängen an den Wänden und ergänzen die antiken Schränke, Schränkchen und Kommoden, die ihrerseits wiederum antiken und nostalgischen Kleinoden ihren Platz geben … seien es alte Bügeleisen, Keramik aus der guten alten Zeit oder andere liebevoll gesammelte Stücke. Ein hohes Regal ist gefüllt mit Kochbüchern des Chefs … aus aller Welt.

Karl-Heinz Weiß hat bei dem aus Österreich stammenden Koch Eckart Witzigmann in dessen Restaurant Aubergine in München gelernt. Dieser Name sagt auch heute noch fast Jedem etwas, der von der Novel Cuisine begeistert ist, die Witzigmann in den 1970er Jahren in Deutschland eingeführt hat.  Karl-Heinz Weiß war dann zunächst in der „ganzen“ Welt unterwegs, ua auch in Kanada und auf den Bermudas, wo er für die Familie eines weiblichen Mitglieds  des englischen Königshauses gekocht hat, was sich aber erst nach einiger Zeit heraus stellte … sein gesundes Selbstbewusstsein hat ihm aber geholfen, damit klar zu kommen. So auch heute noch, wenn er immer wieder mit den Worten „Herr Weiß, das war so gut, einfach fantastisch!“ gelobt wird und dann antwortet „Ich weiß!!!“ … dies aber mit einem verschmitzten Lachen, das seine Person  ebenfalls ausmacht. Wenn er am Ende eines solchen Abends endlich Zeit hat und meine Frau Karin und ich noch anwesend sind, sinken er und seine Frau zwar etwas erschöpft auf 2 Stühle, aber jetzt erzählt er mit einem herrlichen verbalen Charme und Wortwitz aus seinem Leben, der Kocherei und so vielem mehr, dass wir uns jedesmal regelrecht losreißen müssen, um den Absprung zu finden. So ein Abend hat auch schon bis 01:30 Uhr gedauert, was jedoch die Ausnahme war.

Ich merke gerade, dass ich völlig vom Abend des 5. Juni 2020 abschweife, aber die Vita von Herrn Weiß ist schon interessant und spannend. Nur noch soviel … ein Zeitungsartikel über ihn ist einmal erschienen unter dem Titel „Wo Fuchs und Has`sich gute Nacht sagen“. Das ist eine liebgemeinte Anspielung auf die Lage dieses ungewöhnlichen Restaurants … am Ende der Austraße, dort wo der Wald beginnt.

Setzen wir den Abend des 5. Juni also fort:

Nach dem zunächst servierten Fladenbrot mit Butter kommen dann auch unsere Vorspeisen und selbstverständlich mache ich wie bei jedem Besuch Fotos als Erinnerung an die Köstlichkeiten, mit denen man hier bekocht wird. Meine „Virgin Bloody Mary mit Garnelen“ wird in einem hohen trichterförmigen Glas serviert … alles andere soll das Foto im Fotoalbum „Restaurant Weiß“ aussagen. Es schmeckt köstlich scharf und wird mit einem zunächst großen Löffel gegessen, ein kleiner langstieliger Löffel ist beigelegt, um auch ja den letzten Rest der „Jungfrau“ zu erwischen. Die Neukreation ist in meinen Augen ein voller Erfolg. Auch einige andere der insgesamt 14 Gäste ... mit Abstand ... löffeln mit verzückten Augen.

Das „Parfait von der Entenleber im Pumpernikelmantel auf Orangen-Chutney“ meiner Frau kann ich nur optisch als gelungen beurteilen … eine Kostprobe würde mir den Geschmack der „Blutigen Marie“ verfälschen und das möchte ich nicht. Meiner Frau jedenfalls hat es sichtlich gemundet … auch bei ihr bleibt kein „Krümelchen“ übrig.

Wir genießen auch die Pausen zwischen den Gängen und nutzen durchaus die Gelegenheit, mal vor die Tür zu gehen. An diesem 5. Juni 2020 gibt es einen Landdauerregen, der für die Natur unwahrscheinlich wichtig ist, haben wir doch wochenlange Trockenheit gehabt. Die frische und durch den Regen gereinigte Luft tut jedenfalls unwahrscheinlich gut.

Als Hauptspeisen wählen wir ein "Rumpsteak vom Angus-Rind auf Semmelkren mit karamellisierten Rote-Beete-Spalten" für mich und für meine Frau Karin einen "Lammrücken mit Aromaten gebraten, auf gebratenem Sommergemüse, mit Rotweinsauce" ... das klingt alles so verlockend, das kulinarische Erlebnis kann beginnen. Eine Dessertkarte gibt es im Restaurant Weiß nicht ... das erzählt Heidrun Weiß ihren Gästen wenn es denn soweit ist und ein Dessert noch "hineingeht", was aber eigentlich immer der Fall ist. An Getränken nimmt meine Frau Karin eine Flasche Mineralwasser und natürlich einen "Kürnbacher Schwarzriesling", ich zunächst eine hausgemachte "Limonade mit Lavendel" ... eine köstliche Erfrischung bei diesem "heißen Wetter".

Servicekraft Birgit, die gleichzeitig auch Chefin des Landfrauenvereins Kürnbach ist, begrüßt uns ebenfalls nach dieser langen "Enthaltsamkeitsphase" herzlich. 

Während meinen Gängen an die Luft ... bei denen manche Gäste vielleicht denken "Der geht aber oft auf`s Klo" ... was mir jedoch völlig egal ist ... werfe ich immer wieder mal einen Blick in das "Allerheiligtum", die Küche. Mit ca. 3 mal 4 m ist sie nicht gerade groß ... in der Mitte steht ein großer Edelstahltisch zum anrichten der Salate und Speisen auf die Teller, ehe diese dann ihren Weg in Richtung Gast im Restaurant nehmen. Der Chef, Karl-Heinz Weiß, ist emsig aber mit Überblick in der gesamten Küche unterwegs ... am großen Herd, dem großen Backofen und den anderen zum Kochen und Braten benötigten Gerätschaften. Eine kleine und zierliche Küchhilfe mit Visiermaske hilft ihm und ist im Wesentlichen für die Reinigung und Wiederbereitstellung von Töpfen, Pfannen und Geschirr zuständig. Die zwei sind ein eingespieltes Team ... aber trotzdem denke ich jedesmal, wie Herr Weiß es schafft, alleine in dieser Küche zum einen diese exzellenten Gerichte zu zaubern und diese dann zB bei seinen Events für ca 45 - 50 Personen punkt- und zeitgenau an den Tisch zu bringen ... für mich grenzt das irgendwie an Zauberei. 

Ich nehme meinen Platz am "Stammtisch" wieder ein und bald darauf werden die Hauptgänge serviert ... ich gönne mir wie bereits bestellt eine Neukreation des Chefs "Rumpsteak vom Angus-Rind auf Semmelkren mit karamellisierten Rote-Beete-Spalten". Das Steak natürlich auf den Punkt medium gebraten. Meine Frau Karin hat sich ja für den "Lammrücken mit Aromaten gebraten auf Sommergemüse mit Rotwein-Sauce" entschieden ... und sie scheint mit Ihrer Wahl auch sehr zufrieden zu sein ... ihr Gesichtsausdruck während des Genießens lässt keinen anderen Schluss zu.

Als Beilagen serviert uns Birgit "Kartoffelgratin in einem "putzigen" 2-Portionen-Schälchen und die hausgemachten Spätzle. Da ich aus dem Ruhrgebiet stamme und dadurch eher ein Kartoffel-Fan bin gehört das Kartoffelgratin mir und ich überlasse Karin die Spätzle, was sie mit einem "dankbaren Lächeln würdigt". Die Kartoffelsorte, die Heidrun Weiß ausgesucht hat, ist sowas von gut ... der Geschmack dieser Erdfrucht ist einfach herrlich und um es vorweg zu nehmen ... das Schälchen ist zum Schluß natürlich leer.

Von meinem Rumpsteak bleibt bis auf einen kleinen Fettrand, der jedem Rumpsteak anhaftet ebenfalls nichts übrig ... der Teller ist leergeputzt ... wie bei meiner Frau übrigens auch, sie  läßt nur 1 Knochen zurück gehen. Nun ist es wieder an der Zeit an die Luft zu gehen, denn mit dem Dessert lassen wir uns noch etwas Zeit. Der Regen hat nicht aufgehört oder nachgelassen ... ich höre förmlich die wohligen Seufzer der Natur.

Ok, gehen wir das letzte kulinarische Kapitel dieses herrlichen Buches an ... wieder an unserem Tisch Platz genommen bitten wir Heidrun Weiß uns die möglichen Desserts aufzuzählen. Da gibt es doch einige, die allein vom Namen her schon interessant klingen und uns deshalb die Qual der Wahl bereiten. Heidrun Weiß muss sie noch einmal langsam mit uns durchgehen, bis unsere Entscheidung gefallen ist ... ich entscheide mich auch hier für eine neue Kreation: "Mohnravioli  mit  Basilikum-Pesto und Chai-Tee-Rahmeis". Karin gönnt sich ein "Pflaumen-Parfait auf süßem Sauerrahm"

Die Gäste, die vor uns bereits schon anwesend waren, bereiten sich zum Aufbruch vor, nicht ohne bei der Küche und Karl-Heinz Weiß halt zu machen und ein großes Lob und Danke-Schön für den herrlichen Abend da zu lassen. Chef Weiß registriert das immer mit seinem verschmitzten Lachen und widmet sich jedem "Scheidenden" mit persönlicher Aufmerksamkeit. Da fällt mir ein Spruch ein: "Nur wer geht kann auch wiederkommen". Und die meisten neuen Gäste tun dies auch und schwärmen bei Freunden von diesem "geheimen" Ort ... das Restaurant Weiß setzt auf mündliche Werbung, denn die ist ehrlich.

Unsere Desserts werden serviert ... meines ist ein optisches Meisterwerk und ein kulinarisches obendrein. Sowohl die Mohn-Ravioli mit Basilikum-Pesto und das Rahmeis verdienen es, langsam-genußvoll verspeist zu werden. Karin`s Parfait beschäftigt sie ebenfalls einige Zeit ... Löffelchen für Löffelchen ... und als niemand herschaut schlecken wir die Teller ab ... leider nur in Gedanken.

Nun ist es an der Zeit für einen Espresso oder Capuccino und danach gönnt sich Karin einen Degestif ... einen "Edelbrand von der Mirabelle", von Heidrun Weiß großzügig eingeschänkt. Damit spaziert sie los, denn sie hat am "Ende des Wohnzimmrs" Bekannte entdeckt, die sie nun etwas angeheitert begrüßt. Daraus wird ein längeres Gespräch mit "lachsalvigen" Einlagen ... Karin ... Karin ... sei bitte nicht peinlich ... denke ich natürlich nicht. Ich freue mich, dass sie gut drauf ist und diesen Abend genießt. Sie kommt ja dann auch zu mir zurück ... an den Tisch. Ich  trinke 2 weitere hausgemachte Limonaden ... eine mit Ingwer und die dritte mit Salbei. Damit habe ich das Limonaden-Kontingent des Restaurants ausgeschöpft.

Nur noch ein Pärchen sitzt am Nachbartisch ... ca. 2,5 m entfernt ... ja, das ist wichtig. Die amüsieren sich schon über uns und wir setzten noch eins drauf und bitten Heidrun Weiß, uns auf dem alten Sofa abzulichten. Das ist eine längere und lustige Aktion, die dem Paar am Nebentisch ebenfalls gefällt ... ich denke bei mir "Wollen die überhaupt nicht mehr gehen?" Aber als ausreichend Bilder im Kasten sind brechen sie dann doch auf ... das Restaurant ist leer ... wir sind wieder mal die letzten. 

Heidrun Weiß schreibt nun unsere Rechnung ... per Hand wie jede Rechnung ... und bringt diese in einem kleinen nostalgischen Kästchen ... Karin`s Aufgabe ist heute das Bezahlen, denn ich bin zum Geburtstag eingeladen. Vertrauensvoll legt sie ihre EC-Karte in das Kästchen, rundet die Rechnung dankbar auf und erhält dann die Quittung ... den Beleg meine ich natürlich.

Es ist 22:00 Uhr und Karl-Heinz und Heidrun Weiß finden noch Zeit und "Kraft" für ein Schwätzchen mit uns ... von alten Zeiten und natürlich vom Essen, von Rezepten, nebenbei auch ein wenig von CORONA und natürlich der Zeit als das Restaurant geschlossen hatte.

Um 22:30 Uhr ist dann auch dieser "Letzte Gang" vorüber und wir machen uns auf den Heimweg ... ich fahre!!!

Dem Restaurant Weiß vielen Dank für diesen wundervoll-kulinarischen Abend,

Schön war`s!!!

Karin und Gerd Diesing