Ein braver Junge 1955 ...
mit gehäkelter Weste und schwarzen Haaren

Camping an der Ruhr

Fasching im Peddenkamp 1

Sonntagsausflug mit den Hutterlohs

Ein Sonntagsausflug mal zu sechst

Größere Reise nach München zu Lina & Emil

VW "Brezel-Käfer" ...
meine Eltern 1950 in SÜD-Deutschland

Geschichten aus dem Ruhrpott

"Meine schwarzen Haare hab`ich wegen den Kohlestaub"

Gerd K. Diesing

 

 

Anmerkung:

Leider ist es nicht möglich einzelne Bilder/Fotos direkt in den Text einzufügen ... ich ergänze die Geschichten deshalb immer wieder durch einen 3-spaltigen Bilderabschnitt. Um alle Bilder zu sehen bitte zum chronologischen Fotoalbum wechseln ... Danke!!!

Entschuldigen möchte ich mich auch bei allen "Nicht-Ruhrpöttlern" dafür, dass immer wieder mal der Sprachstil mit mir durchgeht ... da gibbet durchaus Wörters, die eigentümlich klingen tun. Aba Hömma, dat gehört dazu, dat is der beste Dialekt, den wo Deutschland zu bieten hat. Also nörgelt hier bloß ma nich rum, sonst is aba de Kacke am dampfen. Glückauf!!!

Und da mir beim Lesen der schon geschriebenen Geschichten wieder was einfällt sind diese zum Zeitpunkt, an dem Ihr sie lest, nicht fertig. Ich glaube sie werden nie ganz fertig ... gut so!!!

 

Der Ruhrpott Anfang der 1950er Jahre

Wie war es denn in Deutschland und speziell im Ruhrpott Anfang der 1950er Jahre? Das möchte ich Euch ein wenig erzählen und zwar aus meiner Sicht auf meine Eltern, meine Großeltern … Oma und Oppa … und den "Tantens und Onkels". Da fällt mir ein … vielleicht kommt daher die Textzeile der Lords in „Poor Boy“: „ … Sistern and Unclen are fun …“. Wer weiß? Jedenfalls habe ich Fotos gefunden … natürlich in einem Schuhkarton … die belegen, dass Spaß und Freude, Autos und Ausflüge schon ganz schön auf dem Programm standen … zumindest dem der Diesings, Verhaarens, Hutterlohs und wie die Familien so alle hießen, die mir später nahe stehen sollten.            

 

Der Peddenkamp ... Heimatstraße für fast 20 Jahre

  

  • Große grüne Hecken im Pott der 1950er Jahre ... nix Black

    Der Peddenkamp ... mein Peddenkamp 1. Eine Sack-gasse mit ca. 20 Häuserblocks ... alle 2 stöckig mit noch einem Dachboden. Schöne grüne Vorgärten und hinter den Häusern schier endlose Gärten und Grünflächen. Ein Paradies für Kinder ... so wie ich Knirps ab 1955, als ich gehen und spielen konnte. Natürlich nicht allein. Damals hatte man viele Freunde und Weggefährten ... die Streiche oder der Unsinn, den man anstellte, war eher harmlos. Wir waren keine Vandalen sondern "Räuber" und "Lausejungs".

  • Opel Kapitän der 1950er Jahre ... unser Kapitän

    Hinter dem Steuer sieht man meine Mutti als "Kapitänin" und mich ganz stolz als Beifahrer ... noch hatte ich für Autos kein so großes Interesse.

    Mein Vater schon und so wechselten die Fahrzeuge doch ziemlich oft. Wie er das machte ... ein Rätsel.

    Jedenfalls brachte er die Nachbarschaft, die noch lange kein Auto hatten, immer wieder zum Staunen.

    Autofreie Straße für uns hieß ... Spielen können.


  • Ein kleiner Junge schaut aus dem Küchenfenster

    Der Blick aus dem Fenster vom Peddenkamp 1 ...1955 ... was gibt es Neues oder holt mich jemand zum Spielen ... es hat noch nicht geläutet.

    Gutes Wetter und Lust wären vorhanden. Jetzt ist ja noch hell ... aber später im dunkeln ... könnte man "Räubers" spielen.

    Achtung!!! Noch zu früh ... erst im Alter von 8 oder so.

    Also hieß es für mich noch ... "Indoor" spielen ... zB mit unserem Sittich ... Oma hatte immer einen Vogel.

Ich erblicke das Licht des Ruhrpotts ...

Heirat 1951 ...
Hildegard Verharren und Karl Diesing sagen "Ja"

Uns kam dieser verhaltene Automobilismus der 1950er Jahre zumindest im Peddenkamp sehr gelegen … erlaubte er uns doch das Spielen auf der Straße, sogar mit einem hohen Netz über der Straße ... für Federball und andere Ballspiele. Die Autos machten langsam und passten natürlich unter dem Netz, das wir zwischen zwei Laternenmasten gespannt hatten, hindurch. Rücksichtnahme war damals größer geschrieben als heute … gute Note für damals … eine schlechte für heute.

Aber ich greife der Geschichte weit voraus ... zunächst muss ich erst mal geboren werden und dann ist ja auch das vielleicht interessant, was vorher so passierte. Das weiß ich zwar auch nur vom Erzählen ... und gebe es hiermit weiter.

Meine Eltern lernten sich 1948 bei der Firma Brüggemmann  kennen ... welcher Gewerbezweig das war? ... keine Ahnung ... jedenfalls "pussierten sie ab dort miteinander" ... das war das spätere "MIteinander-gehen. Die fetten "Wirtschaftswunderjahre" gab et noch nich, also waren die beiden schlank und rank und machten duraus eine gute Figur. Da man damals wie heute gerne die Welt anschaute sprich: "Ausflüge machte" und mein Vater schon einen VW-Käfer hatte ... fuhren "Hildegard und Karl" mit "Gertrud und Heinz" oder "Liesel und Fritz" oder .... in die "nahe Umgebung" des Ruhrpottes, ins "Sauerland" ins "Bergische Land", zu diversen Seen oder Talsperren oder machten sonstwo die Gegend unsicher. Jedesmal natürlich mit körperlicher Ertüchtigung sprich einem langen Spaziergang. Es gibt auch alte Fotos, welche die o.g. bergauf zeigen, aber wo das gewesen sein könnte ... keine Ahnung ... vielleicht war der Fotoapparat auch nur schräg gehalten.

So lernte man sich also ausgiebig und anständig kennen ... ein Aufpasserpaar war ja stets dabei, zumindest wenn man den Fotos Glauben schenken kann. Diese zeigen aber unsere 2 auch im fernen SÜD-Deutschland zu Besuch in Uhingen oder Stuttgart. Ich glaube bis München hat es sie verschlagen, zu Onkel Emil und Tante Lina. Die langen Autofahrten und deren Gespräche führetn wohl dazu, dass man auch von Heirat sprach. Der Entschluss stand im Raum und wurde 1951 umgesetzt. Ob es eine Verlobung gab? Ich glaube schon, aber davon weiß ich nix. 

Die folgenden Bilder zeigen die Heirat meiner Eltern … Hildegard Verhaaren und Karl Diesing … vor meiner Geburt … wann genau finde ich vielleicht noch heraus, wenn ich das Familienbuch finde. Gefeiert wird jedenfalls nach der Trauung im ausgeräumten Wohnzimmer im Peddenkamp 1. Die unnötigen Möbel schaffte man zu den Nachbarn und die nötigen Möbel wie Stühle und Tische holte man von denselben … so easy war das damals … heute undenkbar. Die besagten Nachbarn feierten natürlich mit. Der „DJ“ war Opa Verharren mit seinem Bandonium … seine Frau Helene … später bekannt als „Tante Lenchen“ war die Entertainment-Managerin, also diejenige, die Geschichten und Witze erzählen konnte und als „Animateuse“ fürs Singen gut war … ohne Liederbücher, versteht sich.

Dazu sieht man deutlich, dass Mutti 1951 schwanger war ... im Juli 1952 sollte sie mich zur Welt bringen. Ich konnte aber nicht warten, also kam ich zu früh ... am 5. Juni 1952 ... als Leichtgewicht mit 1.850 gr. Ein "Würmchen", wie alle sagten ...von Angst erfüllt, ob man mich überhaupt durchbringen würde. Heute sieht man mir das Leichtgewicht nicht mehr an. 

 

  • Heirat und Baumstamm- sägen im Peddenkamp 1

    Wie gut der Kontrast der weißen Kleider zu den dunklen Häusern doch war ... heute würden sie kaum auffallen.
    Die Blumenmädchen schauen zu, als Hildegard und Karl den doch immerhin 15 cm dicken Holzstamm durchsägen ... aber musste sein, weil sonst keine Feier ... und die findet natürlich in der ausgeräumten Wohnung statt.

    Nachbarn helfen ausräumen und schaffen extra Stühle herbei ... feiern auch mit !!!

  • Mutti hat ein Bäuchlein ... wer kommt denn da wohl raus

    Ich weiß gar nicht genau, wann meine Eltern geheiratet haben ...Pfui Kuckuck. Jedenfalls war ich nicht der Grund ... ich war ein Wunschkind. Das ist wahr !!!

    Damals im Bauch habe ich mir gedacht ... aha ... so sieht meine Mutti also außen aus ... trocken und chick.

    Aber die Wohnungseinrich-tung ??? War das damals überall so? Naja ... sollte sich ja vielleicht noch etwas verbessern. Aber Blümchentapeten blieben wohl "IN" ...

  • Präsentation des schicken Kinderwagens im 1950er-Style

    Da ich im Juni geboren wurde bietet sich die sommerliche Präsentation des Korbwagens samt Inhalt an.

    Peddenkamp rauf und runter ... zum Markt nach Günnigfeld, an die Bude oder Trinkhalle ... damals noch nix für mich ... Milch gab`s dort nich!!!"

    Manchmal schob mich auch Oma Lenchen ... dann hieß es halt: "Na so ein süßer Enkel. Ist doch ein Bub oder?"
    "Jetzt ist die Familie wieder komplett" ...den Tod von Karl Verhaaren im Gedächtnis.

Die ersten Jahre ...

Ein frühes Bild ... 1954
"Ganz in Weiß" vor ein-em ... unserem Auto, noch mit "Besatzung-
Kennzeichen"

Das Ruhrgebiet 1952 … es sind erst 7 Jahre seit dem Ende des zweiten Weltkrieges im Mai 1945 vergangen. Meine Eltern wußten, wie es war, in dieser Zeit zu leben bzw. zu überleben … ich wusste es erst später, denn ich wurde am 5. Juni 1952 geboren. War ich ein Wunschkind ? … ich gehe davon aus, aber ich kam zu früh auf die damals „kaputte“ Welt mit nur 1.850 Gramm. Das hat man mir erzählt. Heute hätte man mich vielleicht in so ein Frühchenbett gelegt … damals hieß es einfach „Naja, vielleicht wird aus dem ja doch mal wat!“ Was eine Mitpatientin im Krankenhaus dann auf den Punkt brachte: „Der hat so zarte und lange Finger … der wird sicher ma Gynäkologe!!!“ Doch dazu später … viel später.

Die besagten schwarzen Haare hatte ich damals natürlich noch nicht … eher gar keine und Fotos aus dieser Zeit gibt es nur wenige … zum Beispiel Mama und Oma  mit Sohn/Enkel „Gerd“auf dem Arm.     

Apropos „Gerd“ ... mein Vater wurde zum Standesamt geschickt mit dem Auftrag, den Namen „Gerhard“ eintragen zu lassen. Das wollte Oma Helene so … nicht wissend, dass „Gerhard“ so viel heißt wie: „Der mit dem starken Speer“ … zumindest in der Mythologie. Jedenfalls hatte entweder der Standesbeamte keine Zeit oder meinem Papa ging es zu lang … beide gemeinsam kürzten die Zeremonie ab … und aus „Gerhard“ wurde „Gerd“ mit dem Zusatz „Karl“, Papa`s Name. Darum nenne ich mich heute: „Gerd K.Diesing“ und das ist ok so.

Nun weiß man ja, dass die Erinnerungen als Kleinkind erst mit ca. 3-4 Jahren beginnen … an was denke ich also wenn ich mich an diese Zeit 1955/56 erinnern soll? 

Ich glaube, dass ich mich am ehesten an Oma Lenchen, meine Großmutter erinnere, die im Peddenkamp 1 in Wattenscheid-Günnigfeld schon seit 1935 im EG zur Miete  wohnte. Meine Eltern sind dann nach ihrer Heirat 1951 mit eingezogen. Großvater Karl Verhaaren war ja als Bergmann an seiner „Staublunge“ vorher gestorben und hatte mich als Neuankömmling der Familie nicht mehr begrüßen können. Wir vier Personen ... hatten 2 1/2 Zimmer,  ein Klo, aber kein Bad, dafür eine große Wohnküche, einen Flur und ein eher kleines Wohnzimmer und natürlich ein Schlafzimmer. Hinter dem Haus waren Gärten und große Grünflächen … für mich und die anderen kleinen "Peddenkämper" ideal. Wer in dem Schlafzimmer nächtigte ... dazu kommen wir später  ... vielleicht.

Wie man auf dem Foto rechts sieht wurde ich schon in früher Kindheit "extravagant" gekleidet ... weißer "Matrosenanzug", kurzer Hose, Kniestrümpfe mit entsprechender Mütze ... sah schon chick aus ... heute wäre das was für Fasching oder so!

An das Auto mit noch "Besatzungskennzeichen" , vielleicht ein früher Opel, kann ich mich nicht mehr erinnern. Jedenfalls fing mein Papa recht früh mit eigenen Autos an ... in unserer Straße hatten wir lange Zeit das "Einzige" ... wechselnde Auto ... bis die Nachbarn "autotechnisch" aufwachten.

 

 

  • Karl Verhaaren ... mein Oppa stirbt 3 Monate vor meiner Geburt

    Mein Oppa Karl ... der Mann von Oma Lenchen ist im März verstorben an den Folgen seiner bergmännischen Täti-gkeit ... damals nannte man das Staublunge.

    Wegen 2 Monaten hat er mich verpasst oder ich ihn, schade, er schien mir doch ein ganz patenter Mensch zu sein.

  • Sänger Fritz Roszga auf der Hochzeit meiner Eltern

    Auf Hochzeiten früher gab es keinen DJ oder Alleinunter-halter ... fähige Familienmit-
    glieder gaben ihr Bestes ... sei es mit Gesang wie hier Onkel Fritz oder Gedichten ... Oma Lenchen voran ... mit ihren "Dönekes" ... das waren lustige Geschichten ... meist auf "Platt" .. mit Übersetzung

    Damals habe ich gelernt, dass Plattdeutsch und Englisch viel gemeinsam haben.

  • Wintervergnügen in den 1950er Jahren ... Schlitten & Schnee ... der war halt da

    Wenn mein Vater mit dem Opel Olympia und einigen Damen in die "Winterfrische" fuhr ... mit Sommerereifen natürlich, gab es so manches "Juchuhu" ... ich war da noch nicht dabei .. zu jung ... aber man hat mich ja auch nicht gefragt.

    Erst später stieß ich mit eigenem Schlitten und sogar Skiern dazu ... ein Disaster.

Spiele & Kindergarten mit "Gisela" ...

Kindergarten mit "Tante Lotte" ... Spiel, Spaß & Gesang ... mit Mädchen.

Der mit der "Elvis-Tolle" bin ich ... der Zeit
voraus

Aber ich schweife ab. Wenn ich heute Fotos von meinem Kinderwagen sehe und denke, dass ich da drin gelegen war, so gelingt es mir nicht, mir vorzustellen, was ich aus dieser Perspektive wohl gesehen habe. Erst wenn ein Foto vom Kindergarten auftaucht macht es „schwupp“ in meinem Kopf und ich sehe Tante Lotte, die Kindergärtnerin, vor mir und denke an Gisela Siegmund, ein hübsches Mädchen aus der Nachbarschaft, mit der ich so manches gebastelt habe.  

Sie war es dann auch, mit der ich die berühmten „Doktorspiele“ genossen habe. Die Ecke, in der das geschah  denkt mir jedenfalls heute noch. Zu dem damals kleinen Ding sagte man im Ruhrpott „Pillemann“ … vielleicht ja anderswo auch. Ein Song von Ludwig Hirsch: „Geh spuck den Schnuller aus …“  kommt mir in den Sinn, wo es heißt: „ … zeigst Du mir Deins und dann zeig` ich Dir meins …“. Aber wir greifen der Zukunft, der Pubertät und vor allem der Sexualität vor. Stoppppp!!!!! Damals waren wir noch anständig ... jedenfalls wurde es uns beigebracht!!!

Diese ersten Jahre denken  mir wie gesagt nicht so richtig. Ich wuchs wohlbehütet auf, es gab keinen Fernseher, vor den man als Kind gesetzt wurde, damit "eine Ruhe" war, kein Telefon, dass einen mit Gebimmel von irgendwelchen schönen Gedanken ... zB Gisela ... ablenken konnte. Was gab es denn eigentlich??? LEGO zB gab es ... schon damals passten diese Steinchen exakt in- und aufeinander und ließen die ersten kleinen Bauten entstehen. Daneben hatten auch die Holzbauklötze ihren berichtigten Platz im Bauherzen eines kleinen Jungen, der dabei von "Größerem" träumte ... einem Schloss mit Gisela vielleicht!!! Metallbaukästen waren auch sehr beliebt ... den Eiffelturm nachbauen ... das wär`s gewesen. Aber es langte für "Autorahmenkonstruktionen" mit Rädern oder kleine "Skelettbauwerke". Jedenfalls konnte man schrauben und lernte mit Werkzeug umzugehen. 

Ergänzt wurde die "Spielerei" dann später durch den "Elektromann", den "Radiomann" oder den "Chemiebaukasten". Der letztere führte dann dazu, dass bei der Entrümpelung des Kellers von "Peddenkamp 1" im Jahre 1998 noch diverse Flüssigkeiten zu Tage kamen ... Salzsäure, Laugen, Lackmuspapiere und so mancher andere Sondermüll ... Huch!!!

An mein erstes "ferngesteuertes" Auto erinnere ich auch noch sehr gut ... ein weiß-grüner Polizeiwagen mit einem Kästchen voller Batterien, 2 Knöpfen und einem kleinen Lenkrad. Die "Fernsteuerung" erfolgte über ein ca. 2 m langes Kabel. So war die Polizei mit dem Kästchen verbunden und von dem Kästcheninhaber abhängig. Gegenüber heutigen "Fernbedienungen" hatte dieses System den Vorteil der Bewegung ... der Autobesitzer musste immer mitlaufen, wenn die Polizei einen Einsatz in der Wohnung hatte ... Tatüü-Tataa!!!

"Outdoor" boten sich andere Spiele an wie zB "Seilspringen", "Diabolo" ... eine Form von Jo-Jo mit einer x-förmigen "Rolle", die das Seil in der dünnen Mitte aufnahm und das man dann über 2 Stöcke rauf-und-runter jonglierte ... wer konnte, auch in die Luft schmeißen und ... entweder ... wieder auffangen ... oder hinterherlaufen. Das erwähnte Jo-Jo natürlich ... in rot und aus Holz. Nicht zu vergessen "Federball" oder "Indigo" ... ein "Hau-drauf-Ball" mit Federn, den man auch über ein Seil spielte. Und natürlich die heißgeliebten Rollschuhe!!! Zunächst mit Eisenrollen, dann mit Rädern aus Gummi bzw. später aus Kunststoff ... aber immer mit 4 Rädern. Bis ... ja, bis die "Kugelrollschuhe" aufkamen, die Schlittschuhähnlich gefahren wurden ... hatten sie ja nur 2 große Kugeln statt 4 Räder. Sie waren dadurch seitlich beweglich, aber schneller durch die geringere Reibung. Heissa, machte das einen Spaß für den, der den Bogen erst mal raus hatte. Ich hatte ihn ... manchmal auch überspannt, denn ich sprang mit den Dingern auch über hochgehaltene Stöcke ua ... meistens ging das gut ...

Irgendwie habe ich gerade das Gefühl, ich wiederhole mich oder greife einem nächsten Kapitel voraus mit den "Kugelrollschuhen" ... sorry ... es war aber auch zu schön ... und spannend. Als Junge braucht man mal "Aufschürfungen" oder? Sonst ist man keiner!!!

 

  • Der grüne Vorgarten und viele Kinder ... mit Oma Lenchen

    Ringelreihn ... Bi-Ba-Butze-mann ... wie hieß das noch alles. Oma Lenchen hatte die Kinder der Nachbarschaft fest in ihrem fröhlichen Griff.

    Für mich war die Hauptsache, dass Gisela dabei war ... so schön kann junge Liebe mit 4 Jahren sein.

    Oft alleine waren wir nicht ...
    was hätten wir auch machen sollen???

  • Viele Nachbarn kümmerten sich um uns "Blagen" (Kinder)

    Auch die Nachbarn waren sehr motiviert wenn es um die Freizeitgestaltung der "Blagen" ging ... "Kinder"

    So manches Fest wurde im Peddenkamp veranstaltet und wir Kinder standen immer im Vordergrund.

    Da gibt es Fotos von zB Kinderumzügen in den sogenannten "Bollerwagen" ...
    einfach nur schön.

    Auf dem Foto vorne 2.-er von rechts ... das bin ich.

  • Klein-Gerd mit seiner Cousine Martina ... 1956 geboren

    Unser Wohnzimmer Ende der 1950er/Anfang der 1960er Jahre ... typisch ... nix besonderes ... ausser das Weihnachten war und meine Cousine Martina zu Besuch da war. Sie ist Jahrgang 1956 ... also wesentlich jünger als ich.

    Während ich schon eine Krawatte trug spielte sie noch mit Puppen ...

    Ich war halt fast ein "Mann"...

Oma "Lenchen" ...

Kommen wir mal zu „Oma Lenchen“ … später nannte wir sie „Tante Lenchen“ … sie war der gute und „katholische Geist“ in der kleinen Wohnung im Peddenkamp 1 ... in Wattenscheid-Günnigfeld, der Welt, die damals für mich eine große Rolle spielte. Ebenso wie die Welt ausserhalb der realen Welt, sprich: „Himmel und Hölle“. Katholisch erzogen und dadurch „genau wissend“, was Sünde, Todsünde, Fegefeuer etc. bedeuteten, war ich schon sehr verunsichert, was meine Zukunft anbelangte. Meine Sünden … damals überwiegend „manuell-sexueller“ Art … mussten mich  ja zwangsläufig in die Hölle bringen. Damit wäre ich dann aber getrennt von allen meinen Lieben, die natürlich keine Sünden begangen hatten und deshalb in den Himmel kommen würden … sie waren ja so gut!!!“ . Nun, ich habe meine sexuellen Erlebnisse durchaus ausgedehnt und noch bin ich … 66 Jahre alt … nicht in der Hölle und habe auch keine Angst davor. Ach, Oma Lenchen … Du warst ein guter Mensch, aber total „katholisiert“, leider.

Aber zB die Besuche mit ihr bei den diversen  Lebensmittelgeschäften auch „Tante Emma“-Läden genannt waren sehr schön … hier ein Stückchen Fleischwurst, da ein Stückchen Brot oder natürlich ein paar „Klümpkes“, also Bonbons für den der dat Ruhrpott-Deutsch nich verstehen tut.

In unmittelbarer Einkaufsnähe unserer Wohnung war der Milchladen von „Tutti Paas“ … so hieß die wirklich. Klein geraten … eher fast zwergwüchsig ... hatte sie ihren Laden mit allem, was Milch so hergibt, total im Griff und die Kundschaft auch. Ein unscheinbares Häuschen im „Ruhrpott-Style“ … also dunkelgrau mit rauher Fassade … eine normale Eingangstür, ein kleines Schaufenster und ein Emailleschild … mehr war damals nicht. Snickers, MilkyWay, Kinderschokolade gab es damals nicht … aber gute Milch, Joghurt, Sahne, Käse und ich glaube auch schon eine Art von „Nutella“. Mehr hatten wir nicht und mehr brauchten wir nicht … basta.

Der Peddenkamp als Straße war wie beschrieben ziemlich trostlos … dunkelgrau mit rauher Fassade und Einfachfenstern, so dass wir im Winter im Schlafzimmer die schönsten „Eisblumen“ hatten, denn in dem Zimmer wurde nicht geheizt. Die Eisblumen kündigten den richtigten Winter an, der jedes Jahr mit Schnee und Eis bei uns Einzug hielt. Kein "Vielleicht" und "Was sagt der Wetterbericht?" ... er kam einfach und brachte uns "Blagen" das Vergnügen des Schlittenfahrens.

Der schon beschriebene Hof hinter unseren Häusern ... eine lange Asphaltfläche ... war leicht abschüssig und endete etwa 5 m nach einem Bordsteinabsatz an der massiver Mauer des nächsten Häuserblocks.

Das spornte vor allem uns Jungens mit den alten Schlitten an, am Beginn ordentlich Tempo aufzunehmen ... immerhin hatten wir fast 40 m Anlauf ... um dann mit maximalem "Speed" über den Absatz zu "jumpen" und uns kurz vor der Mauer vom Schlitten zu werfen ... bummms!!! Die meisten (Schlitten) haben es überlebt ... meiner auf jeden Fall ... denn ich hatte einen geschmiedeten Eisenschlitten mit schmalen Kufen. Vom Großvater gebaut und vom Enkel übernommen ... ein Superstück, das nicht nur mir gefiel.

Es gab in Wattenscheid auch einige "Hügel", an denen wir unsere Schlitten testen konnten ... aber das war kein Vergleich mit den Möglichkeiten, die man zB im nahegelegenen Sauerland hatte. Dazu musste dann ein Familienausflug am Sonntag her ... Samstag war noch nicht ... erstens hatte der "Junge" Schule und der Papa war "auf Arbeit".

Viel später kamen dann die "Schneegleiter" auf, die wir uns unter die Schuhe schnallen konnten und die uns aber in erster Linie dazu dienten, den Schlitten als "Vordermann" zu lenken. Da man den Schlitten nicht mehr mit "Abbremsen" lenken musste hatte man durch diese Dinger durchaus eine tolle Geschwindigkeit drauf. Fantastisch!!! Passiert ist Gott-sei-Dank nix ... hätte aber durchaus gut sein können!!! Uns kam die kindliche Unerschrockenheit zu Gute ... und unser Schutzengel ... 

 

  • Noch schaut der Vater auf mich herab ... mit Wohlwollen natürlich

    Weihnachten 1957 ...
    immer elegant ... Vater mit Anzug und ich irgendwie auch ... sogar mit Fliege.

    Meine Mutter ... figürlich schon etwas reifer ... war auch festlich gekleidet.

    Der äußere Schein täuscht aber über die vielen Streits an Hl. Abend beim "Diesing-Clan" hinweg ... traurig.

  • Gerd und sein Akkordeon ... er wollte mit 10 lieber eine E-Gitarre ... nix war's

    Da haben wir es also ... mein rotes Akkordeon, das mich zumindest 8 Jahre lang be-gleiten sollte. Mit 17 hatte ich dann schon andere Musik-interessen ... mit aktiv war es erstmal vorbei ... es begann die Zeit von "HIFI" mit vielen technischen "Nettigkeiten". Zunächst mit einem tollen Philips-Tonband-gerät mit eigenen Lautsprechern. Schade, davon habe ich leider kein Foto mehr.

  • Das ist Struppi, der Hund von Opa Otto Diesing ... Besuche waren 4 km entfernt

    Meine Wege zum Hund von Opa Otto Diesing waren schon weit ... 4 km also 1 Stunde laufen ... aber das nahm ich damals gern in Kauf, konnte ich doch mit Struppi herum-tollen und mit Opa spielen ... oder umgekehrt?

    Er erzählte Geschichten vom Riesengebirge ... wo meine Großeltern her stammten und vom dortigen Rübezahl. Er brachte mir Kinderlieder bei und milderte den Fall beim "Plumps" von "Hoppe Hoppe Reiter". Leider war 1962 Schluss damit ... ein Schlag-anfall bedeutete das Ende unserer "Beziehung" ... Struppi war schon vorher im Hundehimmel.

Musikalität bei den Diesings ...

Mein großes rotes ... "Damenakkordeon"

Kommen wir zur Musikalität im „Hause“ Diesing.

Die war einzig auf das Akkordeonspielen begrenzt. Ich bin sehr froh, dass ich nicht Blockflöte lernen musste ... denn dieses "Gepiepse" kann ich heute noch nicht ab. Weihnachten 1962 … ich war 10 Jahre alt und die Beatles und andere Bands begannen gerade ihre  Karrieren … ich wünschte mir eine E-Gitarre im Hinblick auf (m)eine zukünftige Band  … Pustekuchen … es wurde entschieden: „Der Junge bekommt ein  Akkordeon … da hat er was für`s Leben!!!“ Gesagt,  getan. Mein Vater besorgte … woher auch immer … ein schönes rotes Akkordeon mit 120 Bass … viel zu groß für den Jungen … wie man sieht …

Leider … das gab es damals wirklich  … ein Damenakkordeon. Dieses hatte schmalere Tasten und das machte den zielsicheren Griff für „Männerhände“ etwas schwierig. Nun werden Sie sagen … aber die „Gynäkologenhände“ des Jungen??? Ja, aber fraulich oder „dämlich“ waren die trotzdem nicht … jedenfalls hatte ich Probleme, was aber keiner glauben wollte: „Akkordeon ist Akkordeon“ ... spiel halt ... basta!!!

Ab diesem Zeitpunkt jedenfalls und nach ein paar Stunden Unterricht bei einem Kollegen meines Vaters, dem Hr. Köhler aus Günnigfeld  war ich der „Musik-Star“ der Familie und spätestens  jeden Hl. Abend musste ich „Vorspielen“ und meine Fortschritte zumindest bei den Weihnachtsliedern präsentieren … in der Heinrichstraße 20 … bei dem „Diesing-Clan“, der eigentlich kaum musikalisches Verständnis hatte. Das merkte ich auch in den späteren 1960er Jahren, als der „Beat“ aufkam. „Mach` die Negermusik aus!“

Aber nochmal zurück zu Herrn Köhler, meinem Akkordeonlehrer oder besser gesagt einem Bekannten meines Vaters, der halt Akkordeon spielen konnte. Ob er eine richtige Lizenz als „Lehrer“ hatte … keine Ahnung. Jedenfalls waren die Stunden, zu denen mich mein Vater mit dem Auto bringen konnte recht ungewöhnlich, aber mir fehlte damals der Vergleich. Notenständer und Lehrnoten gab es ja … zunächst mit einfachen Stücken bzw. das Erlernen der Grundfunktionen dieses schon tollen Instrumentes überhaupt. Bald schon sollte ich nach Einübung eines kleinen Stückes alleine weiter üben, denn Herr Köhler und mein Vater griffen dann zum Flaschenbier und redeten über „alte Zeiten“.

Ab und zu ein Eingreifen des Lehrers, wenn er glaubte etwas Falsches gehört zu haben … hatte er Recht oder lag es am Bier? … keine Ahnung. Die Dauer solch einer „Übungsstunde“ konnte man im vornherein nicht genau bestimmen … das hing nicht so sehr von meinen Fortschritten ab sondern eher von der Länge der „Alten Zeiten“ oder dem "Biervorrat von Herrn Köhler"

Naja, gelernt habe ich dann im Laufe der Zeit schon was, vielleicht hätte man die Anzahl der Stunden einschränken können. Finanziell war das eher kein Disaster für Fam. Karl Diesing, wurde Herr Köhler doch des öfteren auch naturell … also mit Bier ... ausbezahlt. Für die Gelegenheiten, bei denen mein Vater mich aufgrund seiner Arbeitszeiten nicht mit dem Auto fahren konnte, wurde ein Akkordeonwagen angeschafft … ganz praktikabel, aber laufen und den Wagen ziehen musste man die ca. 3 km zu Herrn Köhler doch. Erst später fragte ich mal, warum Herr Köhler der Einfachheit halber nicht zu uns kommen könnte. „Herr Köhler hat doch keinen Führerschein!“ Aha, das war also Grund genug, dass er zB nicht mit dem Rad kommen konnte und es meiner Oma als treue Begleiterin der „Akkordeonwagen-Zieh-Gänge“ und mir überließ, die insgesamt 6 km hinter uns zu bringen. Merkwürdigerweise waren das dann aber effektive, wenn auch kürzere Unterrichtsstunden … meine Oma mochte kein Bier und hatte halt keine gemeinsamen „alten Zeiten“ mit Herrn Köhler.

Das Akkordeonspielen habe ich dann im Alter von 17 Jahren aufgegeben … 1969 war „voll der Beat ausgebrochen“ und Akkordeon spielen war doch unter den aufkommenden "Halbstarken" eher verpönt … ich wollte ja eigentlich auch eine E-Gitarre. Das rote Akkordeon war sowieso reparaturbedürftig … fast eine Generalüberholung wäre nötig gewesen … und so ging es irgendwo den letzten Gang auf vielleicht einen „Akkordeon-Friedhof“. Noten hatten sich viele angesammelt, die ich übrigens behalten habe und die mir ab 2002 wieder von Nutzen waren. Da habe ich dann die Liebe zu diesem Instrument wieder entdeckt und aufgefrischt ... bis heute übrigens.

 

  • Ganz in weiss ... vor der großen grünen Hecke

    Frühe Kinderjahre ...

    Peddenkamp 1 ...
    der Vorgarten ... eine Grünfläche direkt vor dem Haus ... hat heute auch nicht jeder, oder???

  • Die schwarzen Haare sieht man ... die spätere Schönheit noch nicht ... leider

    Bis auf die Zahnlücken konnte man 1956 eigentlich nichts schlechtes über mich sagen ... oder???

    Kohlrabenschwarze Augen und ebensolche Haare ... der Kohlenstaub war in den Genen wohl verplantzt.

  • Die stolzen Großeltern ... Otto und Maria Diesing

    Auf dem Foto sind mein Cousin Rüdiger und ich (links) zu sehen ... ich um 6 Tage älter ... und reifer ... ich war damals schon vernünftiger und zog eher was "Kohlenstaub-unempfindlich-es" an ... er war halt nicht von hier.

Struppi und Opa Otto

Das Jahr 1956 ...in etwa Heinrichstraße 20 ... Oma und Oppa Diesing in der Wohnküche.
Später standen die Ses-sel weiter auseinander

In den Kinderjahren, als mein Großvater Otto Diesing noch lebte … er starb an den Folgen eines Schlaganfalls 1962 … machte ich mich öfter auf den Weg vom Peddenkamp 1 zur Heinrichstraße 20, um ihn und vor allem seinen Hund „STRUPPI“ zu besuchen. Es war ein Weg von ca. 3 km und das war doch schon was … damals aber waren fußläufige Entfernungsbewältigungen eher die  Regel … gut so … heute bin ich eine „faule Socke“ und nehm lieber das Fahrrad oder Auto.

Apropos Fahrrad … das hatte ich als "frühes" Kind noch nicht ... erst mit 12 oder so ... aber Rollschuhe und was für welche!!! Meine waren durchaus vergleichbar mit den heutigen „Inline-Skatern“, denn sie hatten pro Schuh 2 Kugeln, keine 4 Räder. So waren sie auch seitlich bewegbar. Der Vorteil? Weniger Reibungsfläche und damit ein schnelleres Tempo möglich. Mann, habe ich die geliebt und irgendwie war ich das einzige Kind, das sich damit zu fahren traute … die anderen schauten nur ängstlich-bewundernd zu wenn ich mit den Dingern angesaust kam und sogar Luftsprünge über gehaltene Holzstöcke machte. Schade, davon gibt es keine Fotos … Ihr müsst mir das einfach glauben … bitte!!!

Aber zurück zu „Oppa Otto“ und „Struppi“. Nach einem langen Fußmarsch kam ich also in der Heinrichstraße 20 an. Die Siedlung dort war etwas „moderner“ als der Peddenkamp, wenn auch die Wohnungen in den Häuserblocks ähnlich waren … Schlafzimmer, Wohnzimmer, groooße Küche, Flur und Bad … ja: „BAD“ mit Badewanne und Klo … der totale Fortschritt!!! Die früheren Wohnungen der Familie Otto & Maria Diesing, gebürtig in Oberschlesien, kannte ich nicht … aber „Omma und Oppa Diesing“ hatten 12 Kinder … drei waren früh gestorben … blieben trotzdem noch 9 übrig. „Alter Falter“ … davon 3 nach „Süddeutschland“ ausgewandert, der Liebe wegen … aber 6 mussten doch irgendwie untergebracht werden … aus heutiger Sicht ein totales Rätsel.

Struppi erwartete mich schon laut bellend und war sofort bereit fürs „Gassi gehen“ … hundemäßig hat sich in den letzten 60 Jahren nichts verändert … wenigstens ein Angelpunkt in dieser Welt. Wir tollten eine Weile herum und zurück in der großen Wohnküche bei Otto & Maria Diesing nahm mich mein Oppa auf den Schoß und erzählte mir Geschichten .. Märchen aus Oberschlesien, aus dem "Riesengebirge" wo der "Rübezahl" herrschte. Wir spielten „…macht der Reiter Plumps“ oder wie das hieß, jedenfalls eine beliebte „Kinder-Frühgymnastik“. Ach ja … „Hoppe hoppe Reiter“, so war das. Schöne Stunden in der Heinrichstraße 20 … die Erinnerungen der späten 1960er Jahre an diese Adresse waren eher negativ besetzt … viel Zoff und Neid, besonders bei der Familienzusammenkunft am 24. Dezember, dem ach so „Heiligen Abend“. Doch auch dazu später, wenn die Erzählzeit dafür gekommen ist.

Manchmal aber durfte ich Struppi sogar auch mit nach Hause nehmen ... das war dann eine noch größere Freude. Der Heimweg war auf einmal viel kürzer und vergnüglicher und die Zeit hinterm Hause mit Hund verging wie im Flug. Den Weg in die Heinrichstraße zurück fand Struppi alleine ... er ist auch jedesmal gut angekommen.

 

 

  • Freizeit beim Paddeln an/auf der Ruhr ... wunderschön

    Wenn der Vater mit dem Sohne .. im Opel Kapitän zum Paddeln fährt, so hat das schon das Flair als wenn der Seniorchef heute mit dem Juniorchef im Jaguar zum Yachthafen düst und elegant auf der Familienyacht seine Runden dreht ... hübsche Girls inklusive ... die fehlten allerdings damals. Dafür hatten wir mehr Ruhe und Einkehr ... in der Boots-kneipe.

  • Der "Bootsbau" meines Vaters beglückte viele Kinder und sorgte für viel Spaß ...

    Verrückte Ideen hatte mein Vater ... das habe ich wohl von ihm. Kein Zweifel!!!

    Er beschloss einen "Katama-ran-Selbstbau" als soziales "Peddenkamp-Projekt" ... ge-meinsam mit vielen begeis-terten Nachbarskindern.

    Stunden der Gemeinschaft ...
    ... und viel Spaß miteinander waren das Ziel und das ist ihm gelungen. Hut ab!!!

  • Camping mit Tante und Onkel wurde in den späteren Jahren beliebt

    Wer war in 1960er Jahren nicht "Camping-begeistert".

    So auch meine Tante Liesel und ihr Mann Fritz. Sie hatten sogar einen festen Platz für Zelt und schickem Anbau an der Ruhr.

    Viele Wochenende durfte ich dort sein ... auch in Beglei-tung von Martina, meiner Cousine. Tantchen hatte ja keiner Kinder ... gut so???

    Sommer, Sonne und Spaß bei Grillen, Singen und auch meine Musik hören ... toll!!!

Freizeit und Vergnügen an der Ruhr ...

Kommen wir zu den Freizeitvergnügungen und körperlichen Ertüchtigungen der jungen Fam. Karl u. Hildegard Diesing mit Sprössling Gerd (Karl). Mein Onkel Fritz Diesing, einer der 6 lebenden Kinder von Otto & Maria, hatte ein „Paddelboot“ an der Ruhr … dem „Ruhrpott-Strom“. Das waren damals sogenannte „Faltboote“, die man zu einem „handlichen“ Paket auseinander bauen und bei Bedarf zu einem Boot für bis zu 3 Personen zusammen setzen konnte. Dieses aber lag ständig bereit in einem Bootshaus in Bochum, einem Nachbarort von Wattenscheid. Mit dem Auto gut zu erreichen machte man sich an so manchen Wochenenden auf, um die „Sommerfrische“ zu genießen, so sagten wir damals … erstens weil es immer im Sommer war und zweitens, weil die Luft dort frischer war als woanders im Pott.    

Meistens aber fuhren Vater und Sohn im Opel Kapitän bzw. Opel Rekord alleine  zum „Paddeln“ und Mutti Diesing blieb daheim bei Oma Lenchen und beide versorgten den Haushalt … das waren noch Zeiten, was? 

Diese Bootsausflüge waren schon toll … echte „Highlights“ der 1950/60er Jahre. Das Paddelboot zu Wasser lassen … einsteigen ohne ins Wasser zu fallen … und dann ging`s los.

Im Gleichtakt paddeln war gar nicht so einfach. Mein Vater saß immer hinten, um die Steuerbretter für das kleine Heckruder zu betätigen … ein echter „Kapitän“ eben. Ich hatte von meinem vorderen Platz dagegen die herrliche Aussicht auf das Wasser der Ruhr und die Landschaft, die an uns nur so „vorbeisauste“ . Dass ich damals noch nicht schwimmen konnte machte mir irgendwie nichts aus … ich wußte mich sicher bei meinem Vater … der würde mich schon retten.

Wir paddelten immer zu einer bestimmten Stelle, einem Wehr, an dem der Fluss sich staute und mit etwa 1,50 m sehr seicht war. Dort bekam ich dann jedesmal meinen „Schwimmunterricht“. Wir legten das Boot an, stiegen aus, ich blies einen Schwimmring auf und ab ging es in die sauberen Fluten der Ruhr … ja-ja damals gab`s  noch keine Flussverschmutzung … jedenfalls roch man nichts und ob die weißen Schaumkronen, die man ab und zu sah, etwas zu bedeuten hatten??? 

Also, ich strampelte mich ganz schön ab in meinem rot-weißen Schwimmring, den ich dann irgendwann vorsichtig auch mal ablegte und mich auf den Auftrieb des Wassers verließ. Warum waren diese Stunden für mich so wichtig? Ich hatte in der Schule sehr unangenehme Erfahrungen mit meinem Turn- und Schwimmlehrer gemacht. Herr Rost hieß er … und er handelte im Freibad nach dem Motto: „Schwimm halt oder geh`unter!!!“ Dieses Motto war nix für mich … weder schwamm ich ... noch bin ich untergegangen … ich habe mich  „krank“ gestellt … meistens schon vorher. Mir konnte damals irgendwie auf Kommando übel werden und ich brachte sogar ein wenig „Kötzeln“ zustande. Die ersten Ausläufer von späteren psychosomatischen Erkrankungen??? … war das die Basis für mein späteres Leben gewesen???

Ein kleiner Unfall an der Ruhr, bei dem ich fast abgesoffen wäre, gab meiner Neigung, ein Wasserathlet zu werden, dann doch den Rest. Am Ufer der Ruhr lag ein aufgeblasenes Boot und ich wollte hinein „hüpfen“ … verpasste dieses aber und landete unter Wasser. Ich strampelte … sah die Wasseroberfläche über mir und dann meinen Vater, der in die Ruhr hineinsprang und mich wieder rausfischte. Außer ein wenig Wasser spucken war eigentlich nichts passiert … bis auf die psychischen Folgen … meine "Wasserallergie". Die hat sich aber später gelegt und manchmal so wie zB heutzutage im Wellness-Urlaub im Schwarzwald werde ich sogar zur „Wasserratte“.

Nach der Rückkehr vom "Schwimmunterricht" am Wehr der Ruhr und wenn das Boot gereinigt und wieder versorgt war ... Onkel Fritz war da schon pingelig, doch später überließ er mir sogar seinen VW-Käfer ... landeten mein Vater mit mir im Schlepptau ... in der Kneipe, die dem Bootshaus angeschlossen war ...oder umgekehrt? Dort erwartete mein Vater ein "kühles Helles" ... 2 ... 3 ... und mich eine Sinalco oder Fanta oder was die Kneipe eben so hergab. Obendrein gab es dann zur Regenierung der körperlichen Verausgabung entweder "Würstchen mit Kartoffelsalat" oder mir viel lieber: "Russische Eier" ... hmmmhhh ... die hatten zwar mit Rußland nix zu tun ... wie ich heute weiß ... aber die Mayonaise und der "Kaviar" ... einfach nur gut. Pommes haben es manchmal auch getan ... natürlich rot-weiß.

Dazu kam noch die "Herrlichkeit" einer Musikbox, deren Wert ich erst heute so richtig zu schätzen wüsste, würde ich doch so ein Exemplar gerne haben. Jedenfalls ... ich bekam von Papa eine DM also eine Deutsche Mark und nachdem die in dem Schlitz des Münzeinwurfes verschwunden war hatte ich das Recht auf 6 Musiktitel erworben ... toll ... wenn nicht die Qual der Wahl gewesen wäre. Favoriten hatte ich damals schon, zB Billy Vaughn und sein Orchester mit "Wheels", Raunchy" oder "Sail Along Silvry Moon". Die waren auf jeden Fall immer dabei, aber der Rest? Die Beatles gab es noch nicht, auch nicht die "Deutschen Beatles" die "LORDS". Aber es gab "ELVIS", "PAUL ANKA" oder "PETER KRAUS" und "TED HEROLD" ... na also. Nach Tanzen war mir nicht unbedingt, es war ja auch kein Mädchen in meinem Alter da ... die waren damalas sowieso "doof" aus Jungenssicht. Also Musik genießen ... Fanta trinken ... herrlich. Irgendwann ging es dann aber doch wieder nach Hause ... mit dem Auto, versteht sich.

Mein Vater ... "angezwitschert" aber fahrtüchtig ... mit Sonnenbrille ... wegen einer möglichen Polizeikontrolle ... "Als erstes sieht man es an den Augen wenn man getrunken hat" und ich waren zufrieden mit dem Tag und fuhren heim. Mutti und Oma Lenchen erwarteten uns und waren froh, dass alles soweit gut gegangen war. Bis zum nächsten Wochenende oder so!!! 

 

 

  • Bier und Ruhrpott ... das gehört(e) einfach zusammen ... symbiotisch

    Eine Flasche Bier "wegputzen" das war im Ruhrpott fast ein "Sport".

    Auch Karls Diesing war in dieser Sportart nicht gerade der Schlechteste ...

    Bier ... Bier ... das
    "Ruhrpott-Elixier"

  • Die Kneipen im Ruhrpott ... dicht gesiedelt ... man konnte wirklich nicht verdursten ...

    Inne "Ruhrpottkneipe" war der Dreh- und Angelpunkt eigent-
    ich de Theke ... da wo die "Politiker" auf den Barhockern saßen und lautstark ihre Meinung verkündeten, die machmal gar nicht so schlecht war. Die Stimme des kleinen Mannes.

  • Auf der Kegelbahn in einer Kneipe von Tante Agathe

    Ein späteres Vergnügen ... Kegeln ... auf einer "echten" Kegelbahn aus Holz. Mit Kegeljungen am Anfang ... zB auch ich ... gab `n paar Gröschkes oder 50 Pfennig.

Kneipen und Bier ...

Kommen wir zu einem Kapitel meiner „Teil-Memoiren“, der Geschichten aus dem Ruhrpott, das ich als Kind/Jugendlicher sehr genossen habe. „Kneipen und Bier“.

Meine Tante Agathe … aus dem "6er-Diesing-Clan“ … und ihr Mann Werner Schupet hatten beschlossen „Wirte“ zu werden … Ihr wisst ja „Wer nix wird wird Wirt“. 2 Kneipen waren es, die sie mehr schlecht als recht führten und die aber meiner Mutter … damals nur Hausfrau … als Bedienung verhalfen, ein Zubrot zu erlangen. 

Angefangen hat es mit dem „Katzensprung“ in Bochum, einer eher kleinen Kneipe mit einer lukrativen Stammkundschaft, die zB auch nicht abgeneigt war Regenwürmer gegen Bier einzutauschen. Ich meine das so, dass man einem „befähigten Regenwurmschlucker“  ein Bier oder 2 zahlte wenn er dann diesen Wurm über Mund und Speiseröhre in seinen Magen beförderte … Eiweiß ist gesund. Viel mehr Erinnerungen habe ich an dieses „Etablissement“ nicht … aber das oben geschriebene ist schon hängen geblieben … kein Wunder oder?

Die zweite Kneipe war dann schon eher eine der besseren „Schenken“. Mit leichter Kost, also einfachen Häppchen wie Bockwurst, Soleier, Schmalzbrot oder eine Art Landjäger …  vertrocknete Salamiwürstchen … aber auch einer Kegelbahn. Ich war in dem Alter, in dem mich Kegeln und Bier-Zapfen sehr interessierte … also der ideale Platz neben dem Gymnasium Bildung zu erlangen … ich studierte die Leute sprich Gäste dieser Kneipe. Als „Studienpause“ vergnügte ich mich auf der Kegelbahn … einer vollautomatischen mit Stellpult und Münzeinwurf. Ich glaube 1 DM für 1/2 Stunde Kegeln war damals der Tarif. Bekam ich natürlich vorher zugesteckt von Tante Agathe. 

Im Laufe der Kegelzeit wurde ich dann Spezialist für „Kranzkegeln“, „In die Vollen“,  „Sarg“ und wie die Spiele alle hießen, die man auf der echten Scherenbahn aus Holz so spielen konnte. Ich erwähne das absichtlich so genau, da diese Kegelbahnen die „echten“ waren … vorne schmal und erst hinten breiter werdend … halt eine Herausforderung für den Kegelnden. Heute kenne ich die Bahnen aus Süddeutschland, die von vorne bis hinten die gleiche Breite haben und dann auch Kugeln mit einem „Fingerloch“. So`n „Killifitti“ gab`s im Ruhrpott nicht … eine Kugel ohne Löcher, die man in der Hand balancieren musste … das war Kegeln pur … jawoll!!!

Ja … in einer Kneipe im Ruhrpott fließt nur eines … und das ist Bier. In Form von Export oder Pils … 2 Sorten. Kleines Pils 0,2 l … war das meistgetrunkene … ein paar Schluck und dann ein frisch-gezapftes. Nichts blieb abgestanden wie beim großen Maß in Bayern zum Beispiel … und die Preise damals !!! Ein kleines „Helles“ kostete 60 Pfennig … also 30 Ct … 

Aber kommen wir zum Zapfen … eine schöne Beschäftigung für einen Jugendlichen in einer Kneipe. Glas mit klarem Wasser spülen!!! … schräg halten … Zapfhahn auf … laufen lassen und dann gerade halten. Glas runter damit Schaum entsteht … Glas stehen lassen. Nachzapfen … Nachzapfen … auf die Uhr schauen … 7 Minuten braucht ein gutes Pils mit exzellenter Schaumkrone … solange mußte der Gast oder Kneipenbesucher halt warten. Ich fühlte mich jedenfalls wie ein „Schaumkönig“ … alle Biertrinker waren von mir abhängig. Auch wenn sie mich Jugendlichen erst mal skeptisch anschauten … mit dem Ergebnis waren sie dann zufrieden. War das damals eigentlich „Kinderarbeit“ … ??? 

Jedenfalls war ich einerseits eine Entlastung für den eigentlichen Wirt, "Onkel" Werner, der Mann von Tante Agathe. Der konnte dann mehr seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen … Konversation mit den Gästen … ein außerordentlich wichtiger Vorgang, um Gäste zum Wiederkommen zu bewegen oder Stammgäste zu halten. Er hielt sich dann auch mehr an die Stammgäste, vor allem an diejenigen, die mit ihm das von mir „Gezapfte“ durch die Kehle rinnen ließen … Glas um Glas … Liter um Liter. Ihr ahnt was ich meine … er war sein bester Gast und ob die Zeche seiner Zechkumpanen immer bezahlt wurde??? Spätestens bei der „Pleite“ musste man auch darüber wohl nachdenken. Die Schwester von Werner hatte übrigens ein gut gehendes Restaurant im Sauerland … so ungleich sind Geschwister.

Tantchen war eher für die kleinen Speisen zuständig, die in der nahen Küche bereitet wurden. Belegte Brote, hartgekochte Eier oder Soleier oder heiße Würstchen … ich glaube „dat war schon allet, wat et zu mampfen gab“. Die Küche wurde dann mal um eine Friteuse erweitert und et gab endlich auch ma Pommes … in den Anfängen nur weiß, nämlich mit Majonäse … rot-weiß kam erst später auf. Ja so gingen die Jahre dahin und wenn Mutti als Bedienung Tagschicht hatte waren wir zusammen in „Der kleinen Kneipe Feldschlößchen“ in Herne.

Das Bier wurde in der Kneipe selbstverständlich an der Theke  getrunken und hier fand gleich-zeitig Sonntags morgens auch der „Internationale Frühschoppen“ des kleinen Mannes statt, nur ohne Werner Höfer. Die Themen waren die gleichen und die Lösungsansätze manchmal sogar realistischer, wenn auch lauter vorgebracht. Wie sang Peter Alexander „… hier hat mancher die Lösung für alle Probleme der Welt …“. 

 

  • "Anne Bude" oder Trinkhalle ... Hier gaben alles und se war nich weit wech ...

    "Anne Bude" gapet allt ... Getränke, Essen, Klümpkes, Lakritze, Hefte zum Schmö-kern für de Älteren und Bil-der-Heftkes für de "Blagen" ... ihr wisst schon ... die schmalen mit auf jede Seite 3 Bildkes von unsere Helden im Kampf.

  • Der "Bierstall" ... in Wattenscheid ...

    Der "Bierstall" ... in Wattenscheid ... Inhaber: "Anton Bohmers" ... lange Zeit der Stammwirt von "uns" Diesings ...

    Eine gemütliche Kneipe ... für abends ... also nix für mich ... so zum Frühschoppen ...

Anne Bude ...

Wenn unter der Woche mal nicht in der Kneipe, so gabet den Gerstensaft in Flaschen „anne Bude“ … damit war die Trinkhalle gemeint, die nächste nicht weit weg … es gab ja genug davon. 

Dann hießet zu dem Jungen: „Gerd, geh ma anne Bude, hol ma paa Flaschen Bier un Zigaretten.“ Etwas später: „Ja, unne Bild-Zeitung nich vergeßen. Kanns dir auwat leckeret mitbringen … aber nich zu teuer, hörsse!!!“ Gerd wackelte los mit ein „Türkenkoffer“ … so nannte man die Plastiktüten damals … darf man ja heute nicht mehr sagen, ne. Unsere Bude war ca. 200 m weg und der Einkauf war schnell getätigt … die Party daheim konnte ihren Fortgang nehmen. Ich kaufte mir meistens Lakritze … einmal mir die supergut schmeckten und die konnte man in eine Wasserflasche stecken und dann abwarten, bis eine Art „Hustensaft“ draus geworden war … der „Aufgesetzte für Kinder“. Die Omma hatte da ja wohl ihr eigenes Rezept mit Alkohol.

Anne Bude gabet aber auch "Abziehbildkes" und kleine Hefte von "Tibor", "Akim" oder "Prinz Eisenherz". Die waren aber teurer als Lakritze und so sparte ich schweren Herzens ein paarmal Lakritze ein ... um dann das ersehnte Ziel zu erwerben ... eines dieser tollen Heftchen mit den Helden unserer Kindheit ... denen wir beim Lesen und in unseren Träumen nacheifern wollten.