Auf der Lebensreise ...

„Ich mache mir da so meine Gedanken…“  Wohin laufen wir?  - Diese vielen Menschen in der Karlsruher Innenstadt sind unterwegs, von daheim; zum Einkaufen; noch schnell etwas erledigen vor oder nach dem Feierabend; gab’s da nicht ein Sonderangebot?; schnell, bevor die Bank zumacht! Manchmal nervt sie ganz schön, diese Rennerei. Obwohl: Sind wir eigentlich nicht immer und andauernd unterwegs, selbst wenn es in unserem Leben durchaus einmal relativ ruhig zugeht? 

 

UNTERWEGS SEIN (im Lebensalltag)

Geradezu symbolisch erleben wir unser Unterwegs-Sein in den Ferienzeiten. Wie ist das denn, wenn man unterwegs ist? Die Aufregungen vorher, die Vorbereitungen; dann die vielen Erfahrungen und Eindrücke; die Freude auf das Ziel – aber auch manche Opfer und Verzichte auf häusliche Gewohnheiten; doch immer auch ein bißchen prickelnde Ungewißheit, Unbequemlichkeiten und Rücksichtnahmen. Ja -  da und hier auch mal Ängste. Unterwegs sein das bedeutet Abschied-nehmen, hergeben, aufbrechen. 

Sie merken es längst, liebe Lesrinnen und Leser: Es geht mir bei meinen Überlegungen nicht nur um das Unterwegssein auf Reisen oder Fahrten. Schade, daß wir zu oft vergessen: Im Leben sind wir eigentlich dauernd unterwegs. Vom Gestern ins Morgen, von der Gesundheit in die Krankheit, von Freude zu Tränen, ja aus der Jugend ins Alter. Vom Tag in die Nacht – vom Leben zum Tod. Wir  sind unterwegs, gestern niemals dieselben wie morgen. Welten ändern sich, Zeiten. „Panta rhei“ – „alles fließt“ nennt dies ein alter griechischer Philosoph. Nirgendwo sitzen wir fest, das Leben ist nicht stabil, das Glück nicht, die Freude nicht. „Wir haben hier keine bleibende Stätte“, nennt dies die Bibel (Heb 13,14) Ja, und ich selbst ändere mich ja auch.

Da gibt es ein Bild, das beispielhaft ist für das Unterwegssein des Menschen: Es ist das Bild des alttestamentlichen Volkes Israel auf seiner 40-jährigen Wanderung aus Ägypten hinein in das Land der Verheißung. Dieses Israel ist ein ist ein „Volk unterwegs“. Es kommt heraus aus einer bekannten Vergangenheit. Ja, wenn es sich in schweren Stunden der Wüste erinnert, wie es ihm im materiellen Sinne gut gegangen ist im Land der Fremde, dann verlangt es geradezu sehnsüchtig zurück nach den „Fleischtöpfen Ägyptens“.

Woher es kommt, weiß es also. Wohin es aber geht, weiß dieses Volk nicht. So sind sie denn unterwegs mit Höhepunkten und mit Tiefen, mit Verzweiflungen und mit Freuden, unterwegs mit Festen und mit Traurigkeiten. Und die läng-ste Zeit sind sie unterwegs in der Wüste. Aber sie haben erfahren, daß Gott ihnen seine bleibende Gegenwartversprochen hat; nicht erst am Ziel der Reise, sondern auch unterwegs. Sie haben diese bleibende Gegenwart Jahwes gefeiert im großen Bundesschluß am Sinai - Horeb. Und sie haben gehört, daß er bei ihnen bleiben werde in der Feuersäule bei Nacht und in der Wolkensäule bei Tag; daß er ihnen seine Gegenwart nicht entziehen werde, solange – ja, solange sie ihrerseits sich an seinen Bund, an seine Verheißung und an sein gegebenes Wort halten würden. Dann wolle er sie sicher hinführen zu ihrem ihnen bestimmten Ziel: zum Land der Verheißung.

 

Gefahren auf der Reise

Wenn wir vom Unterwegssein sprechen gelangen wir zu einem Problem, von dem leider auch gesprochen werden muß. Es ist nicht erfreulich, darüber zu reden, aber offenbar unvermeidlich: Ich meine das Verunglücken. Reisezeiten - Unglückszeiten. Unterwegs kommen immer wieder Menschen zu Schaden an Leib und Leben. Unterwegssein hat also offenbar auch eine gefährliche Komponente. Im Straßenverkehr besteht eine der häufigsten Unglücksursachen wohl darin, daß Menschen Regeln und Ordnungen nicht einhalten, die das Reisen sicher machen sollten. Verkehrsgesetze und -gebote werden übertreten, Ampeln nicht beachtet: Da wird  überholt auch gegen die Regeln der Vernunft; da ist  Alkohol am Steuer oder Übermüdung schuld; da wird die Vorfahrt nicht geachtet. Mit einem Wort: Damit wir Menschen möglichst schadlos ans Ziel kommen und es gesund erreichen können, haben wir Regeln und Ordnungen aufgestellt. Sie engen nicht ein, auch wenn sie manchmal lästig sein mögen. Sondern sie ermög-lichen überhaupt erst eine möglichst komplikationslose Reise. Ampeln und Wegweiser beeinträchtigen mich nicht, sondern sie zeigen mir den deutlichsten und besten Weg. Natürlich kann ich mich darauf berufen: Ich bin ja frei, bin emanzipiert und lasse mich nicht fremdbestimmen; was sollen mir Wegweiser und Regeln? Nun, frei bin ich allerdings. Und meine Freiheit besteht gerade darin, daß ich wählen kann. Nur muß ich dann die Konsequenz auf mich nehmen, entweder niemals oder nur nach schweren Umwegen und möglicherweise durch große Gefährdungen (auch anderer!) hindurch zum Ziel zu kommen. Oder – im Extremfall überhaupt nicht anzukommen. Regeln, Gebote, Ampeln: Wir brauchen offenbar Ordnungen.

So etwas ähnliches gilt auch für unser Leben als Menschen, zumal als glaubende Menschen. Um zu unserem Ziel zu gelangen, zu einem gelungenen Leben, zum Glück und erst recht zum Heil bei Gott, ist es nicht einfach möglich, daß jeder darauf los lebt, wie es ihm gerade paßt. Wir brauchen Ordnungen, wir brauchen Regeln. Im religiösen Bereich nennt man sie Gebote. Sie sind Wegweiser, die uns den Weg zeigen zum Ziel, unserer Heimat im Himmel. Wir erreichen unser Heil nicht einfach aufgrund unseres eigenen orientierungslosen ´Darauf-los-Fahrens`. Auch auf diesem Weg kann man verunglücken: Das ist dann die Tragik von Schuld und Sünde. Die Tragik des Menschen, der Wegweiser und Zei-chen nicht beachtet hat. Man kann stecken bleiben, in die Irre gehen, verunglücken. Ja, man kann den Weg überhaupt nicht mehr finden und unterwegs Schaden nehmen an Leib und Seele. 

Auch diese Ur-Erfahrung finden wir in der Geschichte Israels. Als Mose vom Berg Sinai herabstieg und dem Volk Israel die Gesetze und Gebote Gottes übergab, da mußte er seinem Volk im Auftrag Gottes folgendes verkünden (Dt 30,15-19): 

 „Siehe! Heute habe ich dir Leben und Heil, Tod und Unheil vor Augen gestellt. Wenn du den Geboten Jahwes, deines Gottes, gehorchst, die ich dir heute anbefehle, indem du Jahwe, deinen Gott, liebst, auf seinen Wegen wandelst, und so seine Gebote, Bestimmungen und Rechtsnormen beobachtest, so wirst du am Leben bleiben und dich mehren. Jahwe, dein Gott, wird dich in dem Land, in das du einziehst, segnen. - Wenn sich aber dein Herz wendet und du nicht gehorchst, wenn du dich verführen läßt, fremde Götter anzubeten und ihnen zu dienen, so künde ich dir heute an: Ihr werdet unfehlbar zugrunde gehen. Ihr werdet in dem Land, in das du über den Jordan ziehst, nicht lange leben. Ich rufe heute Himmel und Erde als Zeugen an: Leben und Tod, Segen und Fluch habe ich dir vor Augen gestellt: Wähle das Leben!“

 

Etappen, Ziele

Wenn eine Reise besonders lange ist, dann ist man froh um „Etappenziele“. Das heißt, vor das große endgültige Ziel sind kleine Tagesziele gesetzt, um das zu schaffen, was heute erreichbar ist. Auch in unserem Leben gibt es solche Etappen, die gemeistert werden wollen und Abschnitte auf dem großen Weg des Lebens sind. Solch eine Etappe ist die Jugend; solch eine Etappe ist die Pubertät; solch ein Etappenziel kann die Gründung einer Familie sein, der Erwerb eines Berufs. Solch eine Etappe ist gewiß auch das Alter. Für manche Menschen ist das Erreichen der Altersgrenze ein Etappenziel, das sie auf der einen Seite freudig erwarten, auf der anderen Seite - wenn es einmal gekommen ist - manchmal nur mit großer Mühe ertragen können.  

Was hat es mit diesen Etappenzielen auf sich?  -  Nun, sie haben eine doppelte Bedeutung: 

Zum einen bringen sie uns näher an das Ziel. Mit jeder Etappe haben wir eine wichtige Strecke des Gesamtweges zurückgelegt. Zum andern aber lassen sie uns auch die Erfahrung machen, was gut und hilfreich - oder aber auch was lästig und hinderlich ist auf dem Weg zum Ziel. Wie man mit Menschen umgeht, wie man Konflikte bewältigt, wie man mit Schwierigkeiten und Leid fertigwird und im Erfolg nicht überheblich wird -  all das sind Erfahrungen im Erreichen eines  Etappenziels, die vielleicht als Hilfen bei nächsten Etappen übernommen werden können.

Vielleicht ist Ihnen schon einmal aufgefallen, daß manche Märchen dieses Erfahrungsammeln mit Etappenzielen zum Thema haben. Oft ist dies verborgen hinter dem Bild von Verwandlungen und Umwandlungen einer Märchenfigur, bis aus ihr im wahrsten Sinne des Wortes eine andere geworden ist. Bis sie ihren Weg durchschritten hat und die ganze Geschichte zu ihrem Ziel gekommen ist. Etappenziele sind notwendig auf der großen Reise des Lebens, denn sie helfen uns zu überprüfen, wie weit wir vorangekommen sind. Ob wir wie ein Verirrter auf einen Seitenweg gekommen sind, oder ob wir noch das Ziel im Auge haben.

 

Wohin geht die Reise?

Und da haben wir ein wichtiges Stichwort, liebe Leserinnen und Leser: das ZIEL. Im Urlaub kennen wir das Ziel und freuen uns darauf. Und am Ziel liegt es auch, dass wir beim Reisen manche Unannehmlichkeit mit Freude auf uns nehmen. Das Ziel ist entscheidend für die ganze Reise! Auf dieses Ziel sind wir gespannt, wir malen es uns aus. Dort erhoffen wir uns viel Freude, Wohlsein rundum. Am Ziel hängt alles. War es schlecht gewählt, macht die ganze Reise keinen Spaß. 

So stellt sich dann selbstverständlich auch die Frage: Wohin sind wir unterwegs?  Welches Ziel prägt die Reise unseres Lebens? Was macht es sinnvoll, immer wieder neu aufzubrechen, manches liegenzulassen, manches Alte hinter sich zu lassen? Was lohnt es für mich, die Belastungen dieses Lebens, die Höhen und Tiefen auf mich zu nehmen und doch mit einer gewissen Freude meinen Weg zu gehen?  Wenn ich hier keine „bleibende Stätte“ habe, was wohl wahr ist, wo habe ich sie dann? Fragen über Fragen. Ist das Leben dieser Welt allein schon Ziel genug für sich?  Für manche Menschen mag das so sein. Für sie ist das anständige Bewältigen dieses Lebens das Ziel, auf das sie zugehen. 

Die Sprache der Bibel, die Sprache des Glaubens denkt da etwas anders: Unser Ziel, unsere eigentliche Heimat, liegt außerhalb dieser Welt und dieses Lebens: „Unsere Heimat ist im Himmel“ sagt der Apostel Paulus (Phil.3,20). Der Christ weiß, wie Christus darüber denkt: „Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen. Wäre es nicht so, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe hin, euch eine Wohnung zu bereiten? Wenn ich hingegangen bin und euch eine Wohnung bereitet habe, dann werde ich kommen und euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin“ (Jo 14,2-3).  Das Ziel unseres Lebens ist  - jenseits der Todesgrenze -  das Leben in der Gegenwart Gottes. Nur von daher bekommt die Mühsal dieser Lebenswanderung einen Sinn. Sie sind auf ein großes Ziel gerichtet. So singen wir auch in unseren Gottesdiensten:  „Wir sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh´, mit mancherlei Beschwerden der ewigen Heimat zu. Gar manche Wege führen aus dieser Welt hinaus. Oh, daß wir nicht verlieren den Weg zum Vaterhaus!“

 

Wenn man ein Ziel vor Augen hat, gibt es Fahrten, die verlaufen schnurgerade von A bis Z, wie geplant und vorgenommen. Aber es gibt auch Reisen, die sind willkommenerweise ein Abstecher – oder unfreiwilligerweise Umwege. Solche Umwege haben auch hier eine doppelte Bedeutung: Sie kommen zusätzlich zum direkt  geplanten Weg hinzu und verlangen von daher auch Opfer und das Umschalten auf den neuen Weg. Sie können Zeit und Geld kosten. 

Aber Umwege haben schließlich auch etwas Positives: Würde ich z.B. auf der Autobahn  nur durchfahren, um mein endgültiges Ziel möglichst schnell zu erreichen, dann würde ich viele kulturell wertvolle Dinge niemals sehen, denn sie liegen abseits. So bringt eine Extratour für mich auch eine Bereicherung, die ich ohne diesen Umweg nie kennengelernt hätte. Von daher wage ich zu sagen, daß es auch in unserem Leben Umwege mit einem doppelköpfigen Gesicht gibt. Umwege, die sehr belastend und beschwerlich sein können; die aber, wenn man sie gut nützt, zu einer Bereicherung und zu einer größeren Erfahrung führen können. 

Ich nenne nur zwei solcher Umwege, wenn es sich um die Persönlichkeitsentwicklung handelt.                                                                                                                            

Da sind z.B. Jugendliche, die vielleicht eine längere Zeit einen Weg gehen, der ihren Eltern überhaupt nicht gefallen kann; dieser Weg ist für alle mühselig und beschwerlich, kann zu großen Spannungen und Brüchen führen. Er kann – und das sei auch nicht verschwiegen – sehr gefährlich sein. Aber manchmal  ist es geradezu notwendig, daß junge Men-schen diese Extratour gehen, um Prägungen für ihr Leben aufzunehmen, die sie auf einem gradlinigen Weg niemals hätten erfahren können

Ohne dieses Bild zu bagatellisieren, nenne ich als zweites Beispiel das Märchen von Rotkäppchen: Es waren immerhin die Abwege mit dem Wolf im Wald, die die ganze Tragik der Geschichte eingeleitet haben. Aber wenn man das Märchen einmal von hinten liest: Musste dann dieser Umweg, dieses Abweichen vom geraden durch die Mutter  vorgegebenen Weg nicht sein, damit in diesem Märchen alles auf den Punkt der Reife zulaufen konnte, wie es geschehen ist? Freilich bergen Umwege immer die Gefahr in sich,  daß sie ins totale Abseits führen.  Aber wie oft hat sich herausgestellt, daß für den Entwicklungsprozeß eines Menschen solche Umwege geradezu notwendig waren.

 

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